28. September 2012

NUK-Alumni-Club Jahrestreffen 2012

Thema CSR beim Jahrestreffen des NUK-Alumni-Clubs 2012
Gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen ist keineswegs nur ein Thema für Großunternehmen und Global Player. Das zeigten die NUK-Alumni beim Jahrestreffen 2012 im Schloss Birlinghoven. Unter dem Titel „Corporate Social Responsibility – ehrbarer Kaufmann oder nur Marketing?“ hatte das Neue Unternehmertum Rheinland NUK-Alumni, Coaches und Gutachter sowie Freunde und Förderer zum Gedankenaustausch eingeladen. In exklusivem Ambiente des Schlosses berichteten am 25. September 2012 die NUK-Alumni, was sie bewogen hat, sich mit ihrem Unternehmen für die Gesellschaft einzusetzen.

CSR als Teil der Unternehmensphilosophie
Bei „WeGrow“ bilden Unternehmensinhalt und gesellschaftliche Verantwortung eine untrennbare Einheit: Das Bonner Start-up pflanzt und kultiviert Kiribaum-Plantagen. 65.000 der Edelholzbäume haben sie bereits gepflanzt. Allein damit haben sie schon viel für die Gesellschaft getan, denn der Anbau schnell wachsender Bäume ist ein Beitrag zum Klimaschutz. Das jedoch ist bei weitem nicht alles, was WeGrow unternimmt. Zur Unternehmensphilosophie gehören auch eine faire Behandlung der Partner und Mitarbeiter, der Anbau in ethisch und sozial verträglichem Rahmen, die Verbesserung der Infrastruktur und die Schaffung von Arbeitsplätzen für qualifizierte und unqualifizierte Mitarbeiter.

Gelebte Verantwortung
Allin Gasparian, Mitbegründerin von WeGrow, erklärt, dass CSR von Anfang an ein fester Bestandteil des Unternehmenskonzepts war: „Als Angestellte in einem großen Unternehmen habe ich erlebt, wie man viel in CSR investiert. Gesellschaftliche Verantwortung nahm bei diesem Unternehmen einen hohen Stellenwert ein. Aber man bewegte sich von außen nach innen. Als Gründer hat man dagegen die einmalige Chance, ein Unternehmen unter dem Aspekt der Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung anzulegen und auszubauen. Hat man einmal die Grundlage für verantwortungsvolles Handeln geschaffen, ist alles andere nur die logische Konsequenz. Dann ist man authentisch und überzeugend, auch ohne Marketing.“ Damit macht Gasparian anschaulich deutlich, worin der Unterschied zwischen einer ernst gemeinten, glaubwürdigen Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung und dem sogenannten Green Washing besteht, bei dem CSR als reine Marketing-Maßnahme praktiziert wird. Bei WeGrow bildet gesellschaftliche Verantwortung und ökonomisches Denken eine Einheit. Dabei ist nach Gasparian zu bedenken, dass ein Unternehmen profitabel arbeiten muss, um sich gesellschaftlich engagieren zu können.

Nutzen für den Einzelnen und die Gesellschaft
Auch beim Unternehmen von Tim Breker liegt die positive gesellschaftliche Wirkung auf der Hand: Der 25-Jährigen hat das em-Schülerfirmennetzwerk gegründet. Dabei steht „em“ für „einfach machen“. „em“ unterstützt Schüler dabei, einen eigenen Schulkiosk zu organisieren und zu betreiben. Die Idee hatte der Jungunternehmer, als er im Rahmen von „Teach First“ an einer Hauptschule unterrichtete. „Die Schüler waren antriebslos, sie besaßen keine Eigeninitiative oder das, was im pädagogischen Bereich Selbstwirksamkeitserfahrung genannt wird. Ich wollte ihnen durch die Schülerfirmen helfen, Handlungskompetenzen zu erlangen.“ Die Schülerinnen und Schüler sammeln praktische Erfahrungen, verbessern ihre Fähigkeiten zum Beispiel im Rechnen, üben sich im Umgang mit anderen und gewinnen Selbstbewusstsein. Die Gewinner sind neben den Schülern auch die Lehrer, da sich der Zuwachs an Wissen und Fähigkeiten auch im Unterricht positiv auswirkt. Und die Unternehmen, die sich über qualifiziertere Absolventen freuen können.

CSR fürs eigene Unternehmen nutzen ist keine Schande
Breker zeigt auch, wie man mit einem Unternehmen einerseits gelebte Verantwortung praktiziert und andererseits CSR gezielt nutzt. Denn um das erforderliche Kapital zum weiteren Ausbau seines Unternehmens zu erhalten, bedient er sich zweier Plattformen, die Bürgern und Unternehmen Möglichkeiten zum sozialen Engagement eröffnen. Das sei keineswegs eine Schande, so Breker. Um Spenden zu erhalten nutzt er Crowdfunding, das auf die finanzielle Förderung durch die Masse ausgerichtet ist. Auf der Plattform Startnext ruft er mittels Video-Botschaft Spender auf, sein  Unternehmen zu unterstützen. Außerdem nutzt er die Möglichkeit, die clicks4charity all denjenigen bietet, die im Internet shoppen und dabei Gutes tun wollen.

Geschäftsmodell CSR
Charityshopping ist für Onlineshops eine mögliche Form von CSR. Daraus hat Tobias Raschke, einer der beiden Gründer der Plattform clicks4charity, ein Geschäftsmodell entwickelt. Das System ist denkbar einfach, erklärt er: Man wählt auf clicks4charity.de die Organisation, die man unterstützen möchte, geht dann auf den Online-Shop, in dem man einkaufen will und bestellt die gewünschten Waren. Ein festgelegter Prozentsatz des Warenwerts geht dann an die gewählte Organisation. Interessant ist dieses Modell vor allem für Unternehmen, die sonst weniger Möglichkeiten haben, mit aufmerksamkeitsstarken Themen an die Öffentlichkeit zu gehen: „Charityshoppen ermöglicht den Unternehmen, Kunden und Mitarbeiter einzubinden. Man kann sie emotional ansprechen, motivieren, innovativ helfen und positiv von dem Engagement berichten. Beispielsweise, indem man auf der Website die Charity-Organisation vorstellt und über Neuigkeiten der Charity-Partner berichtet.“

Engagement mit Strategie
Eingebettet wurden die Unternehmens- und Erfahrungsberichte durch die wissenschaftlichen Ausführungen von Sandra Schöneborn von der Universität zu Köln. Nach einer Vorstellung der verschiedenen Möglichkeiten des CSR griff Schöneborn die Frage des Abends auf: „CSR – ehrbarer Kaufmann oder nur Marketing?“. Ihre wissenschaftliche Erkenntnis bestätigt die gelebte Praxis der Jungunternehmer. Denn: CSR muss Teil der Unternehmensstrategie und fest im Unternehmen verankert sein. Dann kann das Engagement glaubwürdig nach außen vertreten und kommuniziert werden. Mit einer entsprechend positiven Wirkung für alle Beteiligten: Das Unternehmen gewinnt an Reputation und diejenigen, denen das Engagement zugute kommt, erhalten die erforderliche Leistung oder Förderung. Eine eindeutige Antwort auf die gestellte Frage gibt es hingegen, nach ihren Ausführungen, nicht. Unternehmer bleiben im Spannungsfeld zwischen „guter Tat“ und „Profit“.

Erfolgreich Gutes tun
Wie sich das gesellschaftliche Engagement der Unternehmen niederschlägt, konnte Schöneborn zwar nicht in Euro und Cent beziffern. Dass es sich jedoch positiv auswirkt, war deutlich. Dies ließ sich sowohl an den Erfolgsgeschichten der Jungunternehmen ablesen als auch an der Zufriedenheit der Gründer selbst: „Helfen macht glücklich“, brachte es Tobias Raschke auf den Punkt. Einig waren alle darin, dass sich die gesellschaftliche Aufgabe des Unternehmens nicht darin erschöpft, den Gewinn zu steigern wie Nobelpreisträger Milton Friedman mit seinem Credo „The social responsibility of business is to increase its profits“ behauptet hat. Raschke verfolgt den Anspruch, auch in den Köpfen der Menschen eine Veränderung zu erzielen. Noch bis vor kurzem wurde angenommen, dass der Staat sich um die sozialen Belange kümmert. Diese Aufgabe geht mehr und mehr auf private Initiativen über. „Dabei muss jedoch sichergestellt sein, dass das gesellschaftliche Engagement langfristig gesichert ist“, so Raschke. Hier sieht er die Unternehmen in der Verantwortung. Auch Gasparian und Breker hegen den Anspruch, als Kaufleute etwas zu verändern. „Man kann nicht trennen zwischen dem Unternehmen einerseits und dem eigenen Anspruch andererseits. Ich kann nicht sagen, das mache ich als Unternehmerin und das mache ich als guter Mensch“, erklärte Gasparian.

Vorbilder schaffen
Das Vorbild der Jungunternehmer soll anderen Gründern Mut machen, von Anfang an gesellschaftliche Verantwortung als festen Bestandteil ihres Unternehmens zu verstehen. Patrick Kom, NUK-Projektmanager und Verantwortlicher für den NUK-Alumni-Club, merkt dazu an: „Nur in wenigen Businessplänen findet man Ansätze für ein gesellschaftliches Engagement der zukünftigen Gründer. Das ist schade, denn schließlich kann auch der Kleinunternehmer Verantwortung übernehmen. Zudem achten in der heutigen Zeit gut ausgebildete Mitarbeiter eher auf das soziale Engagement von potenziellen Arbeitgebern.“ Dass sich die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung positiv auf den Unternehmenserfolg und die Zufriedenheit des Unternehmers auswirkt, haben die NUK-Alumni an diesem Abend mit ihren Ausführungen einstimmig deutlich gemacht.

Mut zur Verantwortung
Der Impuls durch das Thema des Abends kam an. Im erlesenen Ambiente des Schlosses, das die Fraunhofer-Gesellschaft als Hausherrin zur Verfügung gestellt hatte, tauschten die Teilnehmer des Alumni-Club Jahrestreffens anschließend im lockeren Rahmen ihre Erfahrungen aus und diskutierten über die Möglichkeiten, sich als Unternehmer gesellschaftlich zu engagieren und dies glaubwürdig zu kommunizieren. Dank NUK-Alumni-Club-Sponsor Osborne Clarke kam dabei auch das leibliche Wohl nicht zu kurz.


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