19. August 2014

„Als Unternehmer kann man sich frei entfalten“

Als eine Freundin ein Handy verlor, stellten Thomas Ott und Christoph Kind fest, dass das „Lost & Found“-System in Deutschland nicht zeitgemäß war. Sie beschäftigten sich intensiver mit dem Thema und gründeten „BringMeBack“. Mit der Idee überzeugten sie im NUK-Businessplan-Wettbewerb und später nicht nur Privatkunden, sondern starteten auch im B2B-Bereich voll durch. 

BringMeBackII

Was macht BringMeBack

Mit Hilfe von BringMeBack können verlorene Gegenstände ihrem Eigentümer zugeordnet werden. Angefangen haben wir mit Schlüssel- und Taschenanhängern sowie Aufklebern, die mit einem individuellen Code versehen sind. Mit deren Hilfe kann eindeutig und anonym ein Gegenstand dem Eigentümer zugeordnet werden. Inzwischen sind wir zentraler im Bereich „Lost & Found“ aufgestellt.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen? 

Wir waren am Ende unseres Studiums und wollten zusammen ein Unternehmen gründen. Allerdings haben wir früh gemerkt, dass unsere ursprüngliche Idee zu groß war und uns die Erfahrung fehlte, so ein Projekt durchzuziehen. Dann hat Christophs damalige Freundin ihr iPhone verloren. Die einzige Möglichkeit, wieder an das Gerät zu kommen, war, regelmäßig beim Fundbüro nachzufragen. Das war aus unserer Sicht keine zeitgemäße Lösung. Wir haben ein wenig recherchiert und festgestellt, dass das ein interessanter Markt ist. Dann haben wir BringMeBack entwickelt.

Was bedeutet es für euch, Unternehmer zu sein? 

Uns war eigentlich immer klar, dass wir nach dem Studium etwas eigenes starten wollen. Als Unternehmer kann man seine Entscheidungen durchsetzen, man kann frei arbeiten und ist nicht an Strukturen gebunden, wenn man neue Ideen umsetzen möchte. Man kann sich einfach freier entfalten.

Ihr habt 2011/ 2012 beim NUK-Businessplan-Wettbewerb teilgenommen. Wie habt ihr vor, während und nach der Gründung von NUK profitiert?

Wir waren bei allen Veranstaltungen regelmäßig dabei. Als Nominees hatten wir bei den Prämierungsfeiern die Chance, unsere Ideen einem größeren Publikum vorzustellen. Nach dem Wettbewerb haben wir am Mentoring-Programm teilgenommen. Dort haben wir in Beratungsgesprächen viel über den Vertrieb gelernt. Wichtig ist auch das Netzwerk von NUK. Wir haben dort unheimlich viele Kontakte geknüpft. Auch heute treffen wir auf NUK-Veranstaltungen Menschen, die uns weiterbringen.

Wie habt ihr BringMeBack finanziert? 

Wir sind mit geringen Mitteln gestartet – heute würde man wohl von Bootstrapping sprechen. Als unser erster Prototyp fertig war und wir in Tests gesehen haben, dass das System funktioniert, haben wir nach einer geeigneten Finanzierung gesucht und uns für Crowdfunding entschieden. Wir hatten ein vorzeigbares Produkt, dessen Zweck leicht zu erklären war – nicht zuletzt deshalb hat es wohl so gut funktioniert und wir hatten innerhalb eines Tages 100.000 Euro zusammen. Dafür haben wir zehn Prozent unserer Unternehmensanteile abgegeben. Jetzt gerade stehen wir wieder vor der Finanzierungsfrage. Wir haben einen GPS-Tracker entwickelt, den wir in Serie produzieren wollen. Dafür müssen wir enorm in Vorleistung gehen. Wieder gehen wir die unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten durch.

Was waren die größten Herausforderungen, denen ihr euch stellen musstet?

Herausforderungen begegnen einem immer. Am Anfang standen wir vor der Frage, welche Lieferanten unsere Produkte liefern können. Schließlich ist jeder Sticker, jeder Anhänger mit einem individuellen Code versehen – deshalb gab es kein Standardverfahren. Und auch jede Finanzierungsrunde ist eine Herausforderung. Ganz am Anfang war es auch schwierig, Unternehmen von unserer Idee zu überzeugen. Schließlich hatten wir noch keine Referenzen. Wir haben es zunächst mit Kaltakquise versucht, das hat aber überhaupt nicht funktioniert. Überzeugt haben wir gerade die großen Unternehmen mit Hilfe des Netzwerks. Viele Leute, die wir kannten, haben uns Zugang zu Entscheidern verschafft.

Würdet ihr heute etwas anders machen?

Wir haben am Anfang darauf gesetzt, schnell in andere Länder zu expandieren. Mit Österreich und der Schweiz hat das auch gut geklappt. Dann haben wir in Rumänien weitergemacht, weil wir dort einen Kontakt hatten, außerdem in Spanien und Australien. Das ist aber in die Hose gegangen. Wir hätten vieles an die Länder anpassen müssen – Übersetzungen, Regularien, die Produkte und auch die Verpackung. Bei dem Versuch haben wir viele Ressourcen verballert. Heute würden wir uns immer erstmal aufs Kernprodukt konzentrieren, es auf den Weg bringen und nicht gleich versuchen, es überall zu platzieren.

Wie geht es bei euch weiter? Was sind die nächsten Ziele? 

Unser Ziel ist es, erster Ansprechpartner zu sein, wenn jemand etwas verloren oder gefunden hat. Auf unserer Homepage gibt es schon jetzt eine Übersicht aller Fundbüromeldungen. Außerdem entwickeln wir digitale Produkte wie GPS-Modelle, Apps und auch Software, worüber man Fahrräder, Taschen usw. direkt orten kann. Außerdem suchen wir nach Produkten, die speziell im B2B-Bereich spannend sind und weniger für Privatkunden.

Was könnt ihr denn den Teilnehmern mitgeben, die bald in den nächsten NUK-Businessplan-Wettbewerb starten?

Man sollte nicht zu lange warten, bis man sein Produkt auf den Markt bringt. Wenn man drei Jahre entwickelt und dann wird das Produkt nicht angenommen, hat man ein Problem. Stattdessen sollte man einfach mit einem Prototypen starten und das Geschäftsmodell unter echten Bedingungen ausrichten und weiterentwickeln – das wichtigste Feedback erhält man vom Kunden.

Habt ihr unternehmerische Vorbilder? 

Thomas Ott: Ich komme aus einer Gründerfamilie. Über meinen Vater hab ich viel mitbekommen. Aber in dem Sinne hab ich keine Vorbilder – ich mag es, mich frei zu entfalten.

Ihr hattet schon kurz nach der Gründung eine große Medienpräsenz. Wie ist es dazu gekommen? 

Das war kurz nach der erfolgreichen Testphase – danach hatten wir eine Pressemitteilung rausgeschickt. deutsche-startups.de hat über uns berichtet und das hat wohl eine Redakteurin bei Galileo gesehen. Die Sendung hat dann über uns berichtet und wir waren plötzlich ziemlich bekannt. Danach kamen viele weitere Presseanfragen. Das war unser Glück. So sind viele Kunden auf uns aufmerksam geworden und es ging plötzlich ganz schnell.


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