17. September 2014

„Wenn es keiner macht – warum machen wir es nicht selbst?“

Die Geschichte von true fruits ist die Geschichte einer fast verlorenen Urlaubsliebe und viel Obst. Bevor die Smoothies in die Supermärkte kamen, musste die drei Gründer viel Durchhaltevermögen beweisen. Wie das gelungen ist, verrät Nicolas Lecloux im Interview.

Die Gründer von true fruits, Inga Koster, Nicolas Lecloux und Marco Knauf haben ihr Ziel nie aus den Augen verloren.

Die Gründer von true fruits, Inga Koster, Nicolas Lecloux und Marco Knauf haben ihr Ziel nie aus den Augen verloren.

Was macht true fruits? 

Wir stellen Smoothies und Säfte ohne Schnick-Schnack her. Das heißt keine Konzentrate, keine Zuckerzusätze, keine Stabilisatoren und keine Farbstoffe.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen? 

Angefangen hat alles zwischen durchzechten Nächten, regennassen Ausflügen in die Highlands und unverständlichen Vorlesungen. Während eines Auslandaufenthaltes in Aberdeen, Schottland, haben Inga und Marco nicht nur lokale Essgewohnheiten, sondern auch ihre Liebe zu Smoothies entdeckt. Zurück in Deutschland war die Enttäuschung groß, als sie feststellen mussten, dass die kleinen, bunten Flaschen mit püriertem Obst in den deutschen Supermärkten nicht zu finden sind. Aus Kummer darüber, wieder einmal eine Urlaubsliebe abschreiben zu müssen, keimte eine Idee: Wenn es keiner macht – warum machen wir es nicht selbst?

Was waren die größten Herausforderungen, denen ihr euch stellen musstet?

Wir hatten ja nur die Vision unserer Smoothies, waren alle drei BWLer und hatten keine Ahnung vom Rest. Deshalb war es zunächst wichtig, die grundlegenden Fragen der Herstellung zu klären. Wo kriegen wir die Früchte her, wie schält man z.B. eine Ananas, sollen wir das selber machen oder machen lassen? Wir haben das Praxisprojekt unserer Hochschule dafür genutzt viele der grundlegenden Fragen, die sich zwangsläufig ergaben, zu klären. Später standen wir dann vor existenzentscheidenderen Herausforderungen. Nach all den Widerstände und Hürden, die wir meistern mussten, trotzdem an der Idee festzuhalten und weiter hartnäckig der Vison zu folgen, war wohl eine der größten Herausforderungen in der Gründungsphase. Zum Glück waren wir ein Dreier-Team und konnten uns gegenseitig motivieren, wenn einer einen Hänger hatte.

Wie habt ihr den Start ins Unternehmertum finanziert?

Die ersten Smoothies haben wir noch selbst in der Küche hergestellt, haben die Produktion dann aber schnell abgegeben. Dafür brauchten wir Kapital. Durch einen Zeitungsartikel in dem wir erwähnten, dass wir Kapital suchen, haben wir diverse Anfragen von Business Angels bekommen. Die Business Angel Szene war 2006 noch digital ausgerichtet und es schien leichter eine Million Euro zu bekommen als 100.000 Euro. Wir haben recht merkwürdige Gespräche geführt und Forderungen wie „wir müssen dann schon die Mehrheit an Ihrem Unternehmen bekommen“. Am Ende hatten wir Glück mit einem Bonner Unternehmer-Duo, die heute immer noch Teilhaber sind.

Hattet ihr Probleme damit, Anteile eures Unternehmens zu verkaufen?

Als wir die richtigen Personen getroffen haben nicht. Wir waren auf einer Wellenlänge.

Hattet ihr Schwierigkeiten, euer Produkt in den Supermärkten zu platzieren?

Zu den "true fruits" gehört seit Neuestem auch der green smoothie.

Zu den „true fruits“ gehört seit Neuestem auch der green smoothie.

Es war definitiv anstrengender und schwieriger als erwartet. Zwar hatten wir Zuspruch durch den 2. Platz im NUK Businessplan-Wettbewerb bekommen, doch die Realität im Markt war eine andere Nummer. Wir haben nie daran gezweifelt, aber weil es noch keiner gemacht hat, kann Dir auch keiner sagen wie es geht. Für mich war das die größte Erfahrung in der Anfangszeit zu lernen, selbst zu denken. Die meiste Zeit im Leben wird man geschult und glaubt die Dinge in der Regel auch. Hier waren wir nun gezwungen Dinge in Frage zu stellen, gegen Widerstände zu kämpfen und neue Lösungen zu suchen. Das war sehr anstrengend, vor allem vom Handel ständig abgelehnt zu werden. Niemand bereitet dich schließlich auf Kalt-Akquise im Vertrieb vor, da wirst Du – und ich glaube daraus lernst Du fürs Leben – zum Köter. Aber wir haben nicht aufgegeben.

Würdet ihr heute etwas anders machen?

Nein, zumindest nichts Grundlegendes.

Wie geht es bei euch weiter? Was sind die nächsten Ziele? 

In den nächsten Jahren wollen wir weiterhin gesunde und attraktive Produkte machen – gerade haben wir deutschlandweit den ersten Green Smoothie (Smoothie mit Obst und Grünzeug) in die Supermärkte gebracht. Und möglicherweise stolpern wir ja noch über das ein oder andere Produkt, das sich auch über den Entzug von Zusatzstoffen freuen würde.

Ihr wollt keine Produktlügen, keine Tricks. Gelingt euch bis heute, daran festzuhalten? 

Ja, denn alles andere wäre Selbstbetrug und ein Verrat an der eigenen Idee. No tricks ist Claim und Philosophie.

Wie könnt ihr das dem Kunden vermitteln?

Gerade bei Lebensmitteln wird oft mit bunten Bildern gelockt und mit vollmundigen Versprechen geprahlt. Das nervt! Wir wollten das damals wie heute anders machen. Werbeschwachsinn wird man auf unseren Flaschen deshalb nicht finden. Unsere Philosophie: true fruits – no tricks ziehen wir konsequent durch. Nicht nur bei der Qualität und Verpackung unserer Produkte, sondern auch bei der Kommunikation. So haben wir z.B. eine kostenlose Suchtberatung für unsere Kunden eingerichtet, der ihnen in heiklen Momenten (Flasche leer, wo ist der nächste Dealer etc.) weiterhilft. Außerdem kommunizieren wir viel über unsere Flaschen und schreiben nicht nur Notwendiges, sondern auch Denkwürdiges hinten auf Rückseite.

Bei eurer Unternehmensphilosophie spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Wie setzt ihr das um?

Wir haben uns 2006 ganz bewusst und entgegen dem Branchentrend für Glasflaschen entschieden. Denn Glas ist ein vollkommen natürlicher Rohstoff. Glas wird ausschließlich aus natürlichen anorganischen Rohstoffen hergestellt, die größtenteils auch in Deutschland vorkommen bzw. produziert werden und Glas kann zu 100 Prozent recycelt oder upgecyelt werden. Auch bei der Qualität und Verarbeitung unserer Rohstoffe spielt Nachhaltigkeit eine Rolle. So ist z.B. Ein Hauptbestandteil unserer Smoothies Apfelsaft. Wir verwenden aber keine monokulturell-angebauten Äpfel oder gar Konzentrate aus Übersee, sondern pressen ausschließlich Äpfel von Baden-Württembergischen Streuobstwiesen. Seit vielen Jahrhunderten gehören Streuobstwiesen zu den besonders landschaftsprägenden Bereichen unserer Kulturlandschaft. Sie schützen und fördern seltene Apfel-Sorten. Da true fruits aber vor allem durch seine ausgefallenen und exotischen Früchte besticht, stammen einige unserer Rohwaren aus Süd- und Zentralamerika oder auch aus Asien. Im Vergleich zu vielen anderen Früchten, reifen unsere Früchte bis zum Schluss am Baum bzw. Strauch und werden nicht wie oft üblich halbreif geerntet, um in begasten Überseecontainern nachzureifen. Die Früchte werden nach der vollreifen Ernte sofort im Ursprungsland verarbeitet und püriert. Das hat neben dem Qualitätsaspekt (bessere Nährstoffdichte, besserer Geschmack) auch den Vorteil, dass wir im Ursprungsland verarbeitende Wirtschaftszweige fördern und nicht nur die Bodenfrüchte des jeweiligen Landes erhalten.

Was bedeutet es für euch, Unternehmer zu sein? 

Wir sind ja alle irgendwie Unternehmer. Wir haben die Chance genutzt, das auch beruflich zu sein und lieben die damit einhergehende Freiheit.

Habt ihr unternehmerische Vorbilder? 

Da gibt es so viele Inspirationen. Für mich gesprochen: Inga und Marco für ihre Klarheit und Willensstärke, Richard Branson für seine eleganten Marketing Coups und Arnold Schwarzenegger für seine Disziplin und Unbeirrbarkeit.

Ihr habt 2006 am NUK-Businessplan-Wettbewerb teilgenommen. Wie habt ihr vor, während und nach der Gründung von NUK profitiert?

Der Businessplan-Wettbewerb hat uns gezwungen, uns über Aspekte klar zu werden, die wir bis dahin nicht oder nur unzureichend durchdacht hatten. Insofern war die Teilnahme für uns sehr wertvoll. Außerdem hat der 2. Platz damals für ein überregionales Medienecho (und Pressefotos in zu engen Konfirmationsanzügen) geführt. Auch das war ein toller Nebeneffekt.

Was könnt ihr denn den Teilnehmern mitgeben, die bald in den nächsten NUK-Businessplan-Wettbewerb starten?

  1. Die Bedingungen sind nie ideal.
  2. Fragen, fragen, fragen, wenn man nicht weiter weiß. Guten Rat annehmen, aber…
  3. Vorsicht vor FUC (frequently unasked consulting), also die gut gemeinten Ratschläge.
  4. Die eigene Vision gut prüfen und verteidigen.
  5. Das Beste annehmen und auf das Schlechteste vorbereitet sein.
  6. Hartnäckigkeit ist der Schlüssel.
  7. Der Verlierer konzentriert sich auf das Hindernis, der Gewinner auf die Lösung. Es gibt immer einen Weg.

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