17. Oktober 2013

„Aus Zufall wurde Neugier – am Ende hatten wir eine Geschäftsidee“

WeGrow überzeugte nicht nur im NUK-Businessplan-Wettbewerb, sondern auch seit 2009 als junges wachsendes Unternehmen. Im Interview verrät Allin Gasparian, warum es sich lohnt, intensiv am Businessplan zu arbeiten und gibt Gründern Tipps, worauf sie achten sollten.

Das WeGrow Team, (Foto Martin Wille)

Peter Diessenbacher und Allin Gasparian haben gemeinsam WeGrow gegründet.

Was genau verbirgt sich hinter WeGrow?

WeGrow ist eine Ausgründung aus der Uni Bonn. Wir beschäftigen uns mit dem Kiribaum – das ist der am schnellsten wachsende Baum der Welt. Heute steht WeGrow für die Entwicklung und Umsetzung nationaler und internationaler Kiribaum-Projekte.

Wie ist die Idee dazu entstanden?

Etwa einjährige Kiribäume in der Nähe von Bonn.

Etwa einjährige Kiribäume in der Nähe von Bonn.

Das war purer Zufall. Peter Diessenbacher war als Student der Agrarwissenschaften an der Uni Bonn tätig. Eines Tages hielt er die Scheibe eines zwölfjährigen Kiribaums aus Bonn in seinen Händen. Das Besondere daran war: Diese Scheibe hatte einen Durchmesser von 40 Zentimetern– eine Eiche mit diesem Umfang wäre 80-100 Jahre alt. Schnell entstand eine Faszination für den schnell wachsenden Baum und Peter Diessenbacher hat angefangen zu recherchieren. Er hat aus der ganzen Welt Saatgut unterschiedlicher Kiribaum-Arten bestellt. Und er fing an zu experimentieren: erst auf der Fensterbank in seiner Studenten-Wohnung, dann in einem Gewächshaus. Es folgten Auspflanzungen und Selektionensarbeiten im Freiland. Danach kam die mehrjährige Züchtungsarbeit. Wir haben eine eigene Kiribaum-Sorte NordMax21® entwickelt, die sich besonders gut für den Anbau unter mitteleuropäischen Klimabedingungen eignet. Auf diese Sorte haben wir den 30-jährigen Bundessortenschutz vom Bundesortenamt (Patentamt für Pflanzen) erhalten.
Man kann sagen: Aus Zufall wurde Neugier und später Leidenschaft – am Ende hatten wir eine Geschäftsidee.

Und mit dieser kamen Sie zu NUK und haben beim Businessplan-Wettbewerb mitgemacht. Warum?

Die Versuche mit dem Kiribaum haben irgendwann sehr viel Zeit beansprucht. Wir mussten uns entscheiden; entweder das „Hobby“ runterfahren oder eben herausfinden, ob man Geld damit verdienen kann. Ich habe zwar VWL studiert, genau beurteilen konnte ich das aber nicht. Eine schöne Idee reicht noch lange nicht für ein erfolgreiches Geschäftskonzept. Wir suchten also einen Ort, wo unsere Idee bewertet würde. Bei NUK haben wir uns gleich gut aufgehoben gefühlt.

Wie haben Sie die Zeit während des Businessplan-Wettbewerbs erlebt?

Das war ein anstrengendes Jahr. Wir waren beide noch festangestellt und haben nachts, am Wochenende und auch im Urlaub an unserer Geschäftsidee gearbeitet. Aber ich kann diese Doppelbelastung trotzdem nur empfehlen. Wenn man ein Unternehmen gründet, wird es noch anstrengender.

Hat Ihnen der Wettbewerb auf dem Weg ins eigene Unternehmen geholfen?

Allin Gasparian von WeGrow

Allin Gasparian von WeGrow

Ich glaube, dass ein guter Businessplan eine absolute Voraussetzung für eine Unternehmensgründung ist. Es lohnt sich, Zeit in die Ausarbeitung zu investieren. Bei NUK ist man unter Gleichgesinnte – das hat es einfacher gemacht. Und die Arbeit hat sich ausgezahlt. Alles, was wir geplant haben – Umsatzzahlen, Zeitpläne und auch die Produktpalette – ist fast so eingetreten wie geplant.

Als nächster Schritt folgt bei Ihnen die Internationalisierung. War das auch geplant?

Absolut. Wir haben uns bewusst für einen englischen Unternehmensnamen entschieden. Uns war von Anfang an klar, dass wir internationale Potentiale nutzen können und wollen. Wir schauen nicht nur in Deutschland, sondern weltweit nach den besten Orten für die Umsetzung erfolgreicher Kiribaum-Projekte. Schon seit 2008 haben wir Spanien im Blick. Das Land bietet heute die besten Rahmenbedingungen für das nächste Projekt

Sie finanzieren die einzelnen Projekte über geschlossene Fonds. War das von Anfang an Ihre Idee?

Unser Ziel war es von Anfang an, möglichst viele Bäume zu pflanzen und den weltweit nachgefragten Rohstoff Holz zu produzieren. Zu Beginn des Businessplan-Wettbewerbs wollten wir Direktverträge machen. Die machen wir auch jetzt – allerdings in Form der geschlossenen Fonds. Darin können wir alle Beteiligten bündeln. Wir machen nicht 400 Verträge, sondern nur einen. So können wir effizient arbeiten. Das hat auch Vorteile für die, die sich beteiligen. Sie haben eine Risikostreuung. Im Augenblick kommt uns auch die Finanzkrise zugute. Der Fokus der Anleger richtet sich auf spezialisierte, dezentrale Lösungen. Sie wollen verstehen, worein sie investieren. Und das können wir sehr gut vermitteln.

Sie sind NUK Alumni-Sponsor. Warum ist es Ihnen wichtig, dem Verein verbunden zu bleiben?

Sicherlich hätten wir WeGrow auch ohne NUK gründen können. Aber die Phase des Wettbewerbs war für uns sehr wichtig, nicht nur für das Geschäftskonzept, sondern auch für die persönliche Entwicklung. Deshalb ist es für uns eine Herzensangelegenheit, etwas zurückzugeben. NUK ist eine tolle Sache. Wer eine Idee hat, verdient es, dass andere sich damit beschäftigen. Im Studium und auch an der Uni gibt es dafür viel zu wenig Möglichkeiten.

Bald geht der neue Businessplan-Wettbewerb los. Haben Sie einen Rat für die Gründungsinteressierten?

Der Wettbewerb ist eine gute Gelegenheit, um herauszufinden, ob eine Unternehmensgründung wirklich das Richtige für einen ist. Denn man muss sich darüber im Klaren sein: So eine Gründung bedeutet viel Arbeit. Fleiß ist die Grundvoraussetzung. Trotzdem macht es aber auch wahnsinnig viel Spaß!


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