3. Dezember 2014

„Ein gutes Produkt findet immer eine Finanzierung“

Gibt es einen Unterschied zwischen Crowdinvesting und Crowdfunding? Was ist die richtige Finanzierungsform? Auf dem NUK-Forum Ohne Moos nichts los: Finanzierungsmodelle für pfiffige Gründer erhielten Interessierte einen Einblick, wie Gründer an Kapital für ihre Unternehmensgründung kommen. Einig waren sich alle, wie wichtig ein guter Businessplan für den Weg zum Erfolg ist. 

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Philip Kahnis, Christoph Kind, Allin Gasparian und Cordelia Albert (von links) diskutierten mit der NUK-Projektleiterin Cornelia Wohlrab (rechts) über ihren persönlichen Finanzierungsweg.

Geld von der KfW eine stille Beteiligung, Finanzierung mit Hilfe von Business Angels und Crowdinvestment: Wer zum NUK-Forum „Ohne Moos nichts los: Finanzierungsmodelle für pfiffige Gründer“ zur KfW nach Bonn kam, lernte schnell, dass es mehr als einen Weg gibt, um eine Unternehmensgründung zu finanzieren. Auf dem Podium diskutierten Philip Kahnis (Hafervoll GmbH), Christoph Kind (BringMeBack und Mediafix), Allin Gasparian (WeGrow GmbH) und Cordelia Albert (Reisekönig Verlag) mit der NUK-Projektleiterin Cornelia Wohlrab über ihren persönlichen Finanzierungsweg.

Mut machte Allin Gasparian den Gründern gleich zu Beginn: „Auch wenn das für Sie vielleicht unglaubwürdig klingt, aber ein gutes Produkt findet immer eine Finanzierung. Sehen Sie sich nicht in der Rolle des Bittstellers – wer in Sie investiert, kann richtig viel Geld mit Ihrer Idee verdienen.“ Den Start von WeGrow finanzierte ein stiller Investor: „Wir wollten auf keinen Fall Teile von unserem Unternehmen abgeben, außerdem war unser Finanzbedarf sehr hoch – so blieben am Ende nicht so viele Möglichkeiten für uns“, verriet Gasparian ihre Strategie.

Anteile für Know-how

Einen anderen Weg schlugen die Gründer von BringMeBack ein. „Den Proof of Concept haben wir aus Eigenmitteln finanziert. Danach haben wir mit Investoren gesprochen. Die wollten aber erst Geld geben, sobald Umsatz da ist – da hätten wir sie ja gar nicht mehr gebraucht. Deshalb haben wir uns für Seedmatch entschieden.“ Auf der Plattform verkaufte Kind mit seinem Mitgründer Christian Ott zehn Prozent der Firmenanteile für 100.000 Euro. „Ich würde mich auch nicht scheuen, noch mehr Anteile abzugeben, wenn dafür ein strategischer Investor einsteigt. Der wäre für uns damals gut gewesen.“

Beim Crowdinvesting sammeln Gründer Kapital bei vielen Investoren. Meistens geben diese eher kleine Geldbeträge. Hohe Summen entstehen durch die Menge der Kapitalgeber.

Auf das Fachwissen von Branchengrößen haben die Gründer von Hafervoll gesetzt. Die erste Produktion der Flapjacks haben sie mit Crowdfunding finanziert. „Das war für uns auch eine Marketingkampagne – danach waren wir viel bekannter. Außerdem konnten wir testen, ob unser Produkt ankommt.“ Nach der ersten erfolgreichen Produktion, stiegen Business Angels in das Geschäftskonzept ein. „Die haben Know-how aus der Lebensmittelbranche mitgebracht, das war für uns der entscheidende Faktor“, erzählte Philip Kahnis in Bonn.

Kapitalgeber erhalten beim Crowdfunding eine Gegenleistung der Gründer – etwa ein Paket Müsliriegel wie bei Hafervoll. Mit der investierten Summe steigt auch der Wert der Leistung.

„Unsicherheit bei Zahlen ist normal“

Auch nach der Podiumsdiskussion gaben die Gründer kompetente Antworten auf Finanzierungsfragen

Auch nach der Podiumsdiskussion gaben die Gründer kompetente Antworten auf Finanzierungsfragen

Ganz klassisch hat Cordelia Albert ihren Verlag finanziert. Sie hat Geld von der Förderbank KfW erhalten. „Man muss sich als Gründer immer überlegen, welches Geschäftskonzept man hat – daran muss man die Finanzierung anpassen“, davon ist Albert überzeugt. Ein einzelnes Buch hätte sie auch mit Crowdfunding finanzieren können, nicht aber einen ganzen Verlag, erzählte sie. „Ich möchte Ihnen aber auch die Angst vorm Bankgespräch nehmen. Die Unsicherheit bei Zahlen ist normal. Nach und nach bekommt man ein Gefühl dafür. Hier helfen die NUK-Coaching-Abende.“

Business Angels bringen neben eigenem Kapital oft auch Know-how mit in ein Unternehmen.

Dem pflichtete Allin Gasparian bei: „Wir mussten uns auch an die vielen Nullen gewöhnen. Die wenigsten kommen aus Haushalten, in denen sechsstellige Summen normal sind. Hier hilft es, wenn man ein Umfeld hat, in dem viele Unternehmer sind, die dieses Gefühl kennen – da ist NUK eine große Hilfe.“

„Businessplan ist A und O“

Manchmal sei es schwierig, den Kapitalbedarf richtig einzuschätzen, räumte Kind ein. „Wir wussten gar nicht so genau, wohin die Reise mit BringMeBack geht.“ Um möglichst präzise planen zu können, sei ein guter Businessplan deshalb das A und O der Gründung – darin waren sich alle einig. „Anfangs denkt man, man macht den Businessplan, um Banken oder Investoren zu überzeugen. Tatsächlich entsteht während der Ausarbeitung das eigene Unternehmen vor einem. Das ist total spannend“, erinnerte sich Cordelia Albert.

„Am Businessplan merken Sie auch, wann der richtige Zeitpunkt für Finanzierungsgespräche gekommen ist“, ergänzte Gasparian. „Wenn Ihr Produkt so gut ist, dass Sie am liebsten selbst investieren würden, dann würde ich in Gespräche gehen.“ Wer dagegen unter Zeitdruck handle, mache meistens ein schlechtes Geschäft.

Inspiriert von den vielen unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten entstand nach dem Podiumsgespräch eine spannende Diskussion mit den Gästen, die beim anschließenden Get-together weitergeführt wurden. Kompetent gaben die Gründer von Hafervoll, WeGrow, Reisekönig und BringMeBack Auskunft. So unterschiedlich ihre Wege auch sind – sie alle bestätigen die anfängliche These, dass jedes gute Geschäftskonzept seinen Weg ins Unternehmertum findet.


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