3. April 2012

… und ich leide an Unternehmerschizophrenie!

NUK-Forum „Unternehmer berichten: Stolpersteine auf dem Weg zum Erfolg“

Allin Gasparian von der WeGrow GmbH

Unter dem Titel „Unternehmer berichten: Stolpersteine auf dem Weg zum Erfolg“ hatte NUK am Dienstag, den 27. März 2012 ins Senatshotel geladen. Angehende Unternehmer und Freunde und Förderer von NUK kamen zusammen, um sich aus erster Hand von drei Gründerpersönlichkeiten berichten zu lassen, was es bedeutet Unternehmer zu sein.

… und ich leide an Unternehmerschizophrenie!
Projektleiterin Vesna Domuz begrüßte auf dem Podium Simon Brewig von smartworx sowie die NUK-Alumni Martin Riedel von enbreeze und Allin Gasparian von der WeGrow GmbH. So unterschiedlich die Branchen, in denen sich die (Jung-)Unternehmer betätigen, so unterschiedlich zeigten sich auch ihre jeweiligen Ansichten und Erfahrungen schon in der Vorstellungsrunde.

Allin Gasparian hat nach der erfolgreichen Teilnahme am NUK-Businessplan-Wettbewerb mit Ihrem Mann die WeGrow GmbH gegründet. Das Geschäftsmodell ist der Anbau einer speziellen Kiribaumsorte als Sachwertanlage. Damit sind sie so erfolgreich, dass inzwischen auch schon Expansionspläne ins Ausland bestehen.

Simon Brewig von smartworx

Simon Brewig blickt inzwischen auf eine 14-jährige Unternehmerkarriere zurück, die nicht nur von Erfolgen geprägt ist. Gefühlte 5110 Stolpersteine meisterte er seit seinem 19. Lebensjahr schon und sagt über sich selbst, dass er an Unternehmerschizophrenie leide. Trotz seiner erst 33 Jahre hat er inzwischen 4 Unternehmen gegründet. Heute beschäftigt er mit smartworx 12 Mitarbeiter und hat eine Umsatzsteigerung von 70% in 2011 erreicht.

Als gelernter BWLer ist Martin Riedel ein weiterer Mehrfachtäter, auch nicht immer mit Erfolg. Seine derzeitige Unternehmung enbreeze befindet sich dabei noch in der Aufbauphase. enbreeze hat eine neue Generation Kleinwindanlagen entwickelt, die auch an windschwachen Standorten wirtschaftlich arbeiten kann.

Unternehmertraum – Motivation und Leitbild
Folgerichtig war die Frage, aus welcher Motivation heraus die Referenten Unternehmer werden wollten. Ist es wirklich ein UnternehmerTRAUM?

Martin Riedel von enbreeze

Wie zu erwarten, hatte jeder der Referenten seine eigenen Gründe. Für Simon Brewig war schon sehr früh klar, keinen Chef haben zu wollen, Allin Gasparian trieb die Eintönigkeit, die sich in ihren bisherigen Jobs mittel- bis langfristig einstellte, da ihre Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt waren. Alle stimmten aber Martin Riedel zu, der als Hauptmotiv angab, Werte schaffen zu wollen, an einem unternehmerischen Gestaltungsprozess beteiligt sein zu wollen. „Unternehmer sein ist wie eine ständige Reise, ein Abenteuer, auch zu sich selber. Andere gehen auf Weltreise. Ich brauche das nicht. Das Unternehmertum fordert mich jeden Tag aufs Neue auf, mich neuen Herausforderungen zu stellen.“ sagte Simon Brewig.

Die Referenten im intensiven Gespräch

Die etwas andere Ehe – von der Kunst den richtigen Partner zu finden
Was bedeutet das nun im Alltag? Wie findet man den richtigen Partner für seine Unternehmung? Sollte man mit Freunden bzw. Familie gründen? Eine sehr spannende Frage: Allin Gasparian ist mit Ihrem Geschäftspartner verheiratet, Simon Brewigs Partner sind seine Freunde und Martin Riedel rät komplett von solchen Liaisons ab. Am Ende brachte Allin Gasparian die Sache auf den Punkt: „Es geht ums Unternehmen. Primäres Ziel ist das Wohlergehen der Firma. Vertrauen in den Partner ist dabei Voraussetzung. Wenn Sie die Kompetenzen im Freundes-/ Familienkreis finden, spricht nichts gegen eine solche Partnerschaft. Man sollte aber immer sehr vorsichtig sein, da eine spätere ‚Scheidung‘ sehr teuer werden kann.“ Ob das denn auch Probleme schafft? „Die meisten Probleme entstehen, wenn man sich im Vorfeld nicht gut genug abklopft. Lieber vorher kräftig streiten, um die Fronten zu klären als blauäugig in eine solche Partnerschaft zu gehen. Eine spätere Trennung kann zum Scheitern des Geschäfts führen.“ ergänzte Simon Brewig. 

Die leichtgewichtigen Holzmuster der WeGrow GmbH erstaunten das Publikum.

Alleskönner? Eigenschaften und Fähigkeiten
Was muss der Unternehmer mitbringen, um das „Abenteuer Unternehmertum“ zu meistern? Muss er ein Alleskönner sein? Während Simon Brewig die Frage aus tiefster Überzeugung mit Ja beantwortete, sah Martin Riedel dies differenzierter. Am Ende kamen alle Drei zu dem Konsens, dass man nicht alles können kann, aber wissen muss, wo man sich adäquate Hilfe holen kann, aber nicht blind vertrauen. „Es ist wichtig, der eigenen Intuition zu vertrauen. Wenn Sie etwas nicht machen wollen, dann sollten Sie auf Ihr Bauchgefühl hören.“, ergänzte Allin Gasparian.

Vogelfrei? Wie frei Unternehmer wirklich sind
Das Ende des Abends läutete Projektleiterin Vesna Domuz mit der Frage ein, wie frei sich die drei Unternehmer fühlen. Große Gestaltungsfreiheit, immer wieder neue Aufgaben, hohe Verantwortung: bedeutet das denn jetzt Freiheit? Ist angestellt sein keine Alternative? Die eine richtige Antwort gab es hier nicht. Auch nach 14 Jahren ist Simon Brewig noch vollkommener Überzeugungstäter: „Ja, absolut. Ich bin total frei. Und ich genieße das. Im Moment entdecke ich die psychologische Seite der Mitarbeiterführung. Es ist immer wieder spannend und ich will nichts anderes.“ Martin Riedel und Allin Gasparian sehen das Ganze vielschichtiger. Riedel steht dem Angestelltendasein nicht so endgültig ablehnend gegenüber. Er empfindet zwar, dass er große Gestaltungsfreiheit in seiner täglichen Arbeit hat. „Aber es gibt doch eine Art Korsett. Und dieses Korsett gibt Rahmenbedingungen vor. Natürlich bin ich innerhalb dieser Rahmenbedingungen absolut frei, alles so wie ich es für richtig halte zu gestalten.“ Allin Gasparian ergänzte: „Man sollte auf alle Fälle vorher darüber nachdenken, auf was man sich einlässt. Unternehmertum ist ein Prozess, wie Dominospielen. Wenn man sich entscheidet, diesen Weg zu gehen, dann stößt man Abläufe in Gang, die zu einem bestimmten Zeitpunkt dann auch Ergebnisse fordern. Da hat man dann keine Wahl.“ Aber trotz der vielen Arbeit sei das Angestelltentum keine Alternative mehr.

Handbuch? Fehlanzeige
Drei Unternehmerkarrieren, drei unterschiedliche Lebensläufe, drei Ansichten. Was Simon Brewig am Anfang als Unternehmerschizophrenie bezeichnete, ergab am Ende ein rundes Bild. „Wir haben keine Anleitung zum Mitschreiben.“, betonte Simon Brewig. Aber alle drei ermutigten die Anwesenden noch einmal, auf ihre Intuition zu hören und ihren Weg zu gehen.

Beim anschließenden Get-together, dass wie die Räumlichkeiten vom NUK-Sponsor „GIZ Gründer- und Innovationszentrum im Technologiepark Köln“ gestellt wurde, konnte man dann auch spüren, wie sich die durch die Referenten erfahrene Inspiration in Tatendrang wandelte. Bis kurz vor Mitternacht fand ein anregender Austausch zwischen Gründungsinterresierten, Netzwerkpartnern und Referenten statt. Die positive Stimmung des Abends lässt sich mit den Worten eines Teilnehmers zusammenfassen: „Ich will auch!“

Judith Mertens


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