13. April 2016

„Aus einer Gründung nicht zu lernen ist unmöglich“

Das Team von „Cell’s Kitchen“ hat 2012 den NUK-Businessplan-Wettbewerb gewonnen. Bis Ende 2014 haben die Gründer versucht, aus ihrer Idee ein Biotech-Unternehmen aufzubauen. Dann erkannten sie, dass das nicht gelingen wird. Im Interview spricht Dr. Georg Pohland über die Gründe des Scheiterns und über seinen ungebremsten Unternehmergeist.

Cell's Kitchen

Georg Pohland (links) mit seinen Mitgründern Anja Buchheiser und Simon Waclawczyk

 

Ihr habt 2012 erfolgreich am NUK-Businessplan-Wettbewerb teilgenommen. Was war damals Eure Idee?

Wir wollten mit Cell’s Kitchen aus Stammzellen Leberzellen herstellen. Die sollten in der pharmazeutischen Forschung eingesetzt werden.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?

Die hat sich aus der Forschung von Anja (Buchheiser) und Simon (Waclawczyk) entwickelt. Wir hätten es schade gefunden, wären die Ergebnisse nur Teil eines Uniprojekts geblieben. So kam die Idee, als Dreierteam ein Unternehmen zu gründen.

Wie ist es nach dem Wettbewerb mit Cell’s Kitchen weitergegangen?

Als Biotech-Unternehmen brauchten wir viel Geld. Also war die entscheidende Frage, wie wir uns finanzieren. Ein Exist-Stipendium wäre nach zwei Monaten weg gewesen. Allein unsere Verbrauchsmittel kosteten viel – außerdem benötigten wir eine komplette Laboreinrichtung.
Wir haben mit vielen Investoren gesprochen. Die fanden unsere Idee grundsätzlich spannend. Aber die Antwort war immer dieselbe: In der zweiten Runde wären sie dabei. Dann erreichte uns ein Anruf vom Life Science Inkubator in Bonn. Denen gefiel unser Geschäftsmodell. In Bonn konnten sie uns keinen Platz anbieten, nur in Dresden. Für die Entscheidung, ob wir für Cell’s Kitchen umziehen, brauchten wir keine zehn Minuten. Wir wollten das Projekt unbedingt machen – egal wo. Also sind wir beim Life Science Inkubator in die Evaluierung gekommen. Im Januar 2013 sollte es losgehen. Dann fingen die Probleme jedoch an. Es gab dort viele Verzögerungen und wir konnten erst im Juli loslegen.

Wie habt Ihr die Zeit bis dahin überbrückt?

Wir haben vor allem vom Ersparten gelebt. Wir waren zwar alle schon vorher selbstständig, haben aber keine Akquise betrieben und Jobs abgelehnt, weil es in Dresden längst hätte beginnen sollen. Als es dann endlich soweit war, gab es weitere Verzögerungen beim Einrichten unseres Labors. Es hat uns dann wieder viel Zeit gekostet, bis wir dort endlich mit der eigentlichen Arbeit beginnen konnten. So sind wir ins zeitliche Hintertreffen geraten. Ende 2014 hatten wir unser wissenschaftliches Ziel nicht erreicht. Der Weg zu einem Prototypen war einfach zu lang. Aus verschiedenen Gründen wollten wir nicht länger beim Life Science Inkubator bleiben. Wir hätten mit der Kapitalakquise wieder von vorne anfangen müssen. Das wären weitere eineinhalb bis zwei Jahre gewesen. Uns war klar, dass der Markt bis dahin nicht still stehen würde. Das Risiko, dass andere ein Produkt entwickeln, das hätte ähnlich erfolgreich eingesetzt werden können wie unseres, war sehr hoch. Darum haben wir uns entschieden, das Projekt zu beenden.

Hat Euch das frustriert?

Nein. Überhaupt nicht. Natürlich ärgert man sich. Wenn man mit so einem Projekt beginnt, wünscht man sich natürlich auch, dass es was wird. Aber uns war klar, dass wir mit einem Biotech-Unternehmen in ein Hochrisikogeschäft einsteigen. Jedoch haben wir in dieser Zeit viel gelernt – allein schon, wie es nicht geht. Aus einer Gründung nicht zu lernen, ist unmöglich. Egal wie es läuft. Zeit für Frust hätten wir auch gar nicht gehabt – wir hatten alle schon Anschlussprojekte. Wir haben immer die Option gesehen, dass wir irgendwann wieder aussteigen – auch wenn Cell’s Kitchen erfolgreich gelaufen wäre. Wir wollten das Projekt an einen bestimmten Punkt bringen. Wären Leute gekommen, die geeigneter gewesen wären, hätte keiner von uns am Stuhl geklebt.

Du hast erzählt, dass Ihr vorher schon selbstständig wart. Wolltet Ihr schon immer Unternehmer werden?

Ich bin seit 2000 selbstständig und kenne es nicht anders. Wenn man einmal Gründerluft geschnuppert hat, ist man vermutlich nicht mehr gut in einem größeren Unternehmen aufgehoben. Die Kultur ist eine andere. Sunbird Images, das Unternehmen, das ich damals gegründet habe, existiert übrigens immer noch und ernährt mich heute.

Was ist Sunbird Images für ein Unternehmen?

Das war ganz zu Beginn eine Onlinebildagentur für Naturfotos. Damit haben wir während des Studiums begonnen. Das hat sich weiterentwickelt und ist heute eine Agentur für verständliche Naturwissenschaft. Unser Haupteinnahmefeld ist inzwischen die App-Produktion.

Nach über zehn Jahren als Unternehmer bist Du bei NUK gelandet. Wie kam es dazu?

Wir waren wegen Cell’s Kitchen im Kontakt mit der Wirtschaftsförderung Düsseldorf. Dort wurde uns empfohlen, beim NUK-Businessplan-Wettbewerb mitzumachen. Der hatte bereits begonnen. Wir haben uns das Angebot angeguckt und waren uns schnell einig: Wir warten, bis im Herbst die nächste Runde losgeht. Sonst hätten wir zu viel verpasst. Im neuen Wettbewerb haben wir fast jede Veranstaltung besucht. Das Feedback, das wir bekommen haben, hat dazu geführt, dass wir unser Geschäftsmodell geschärft haben, unser Businessplan immer besser wurde. Allein die NUK-Coaching-Abende kann man mit Geld nicht aufwiegen – so viel kostenlose Beratung. Bei den Vorträgen habe ich viele Male gedacht: Wenn ich das schon bei der Gründung von Sunbird Images gewusst hätte, wären mir viele Umwege erspart geblieben.

Also konntest Du auch als erfahrender Unternehmer vom NUK-Angebot profitieren…

Absolut. Bereichernd waren auch die Kontakte zu anderen Gründern. Da sind ja Menschen mit total verrückten Ideen. Die klingen im ersten Gespräch völlig absurd. Erst nach und nach merkt man, dass da häufig viel mehr hinter steht, als man anfangs gedacht hat. Ich habe mitgenommen, dass es sich lohnt, an eine Idee zu glauben – egal wie abwegig sie erstmal erscheint. Außerdem stellen Gründer oft spannende Fragen. Die kommen dann vielleicht aus einem anderen Fachbereich und haben einen ganz anderen Blickwinkel. So haben wir oft neue Denkanstöße bekommen. Das macht einfach Spaß.

Welche Pläne hast Du für die Zukunft?

Ich will Sunbird Images weiter nach vorne bringen. Wir haben schon jetzt ein gutes Portfolio und gute Kooperationspartner. Wir haben außerdem eine riesige Produktionspipeline von Dingen, die dieses und nächstes Jahr auf den Markt kommen sollen und noch viele weitere, spannende Ideen. Unser großes Ziel ist es, mit sunbird.tv Filmproduktionen zu machen.

Hast Du Ratschläge für die Teilnehmer der NUK-Gründer-Akademie?

Ganz klar: Bei NUK mitmachen und alles mitnehmen, was es gibt. Die Angebote sind kostenlos und gut. Ein zweiter Tipp ist: Redet über Eure Idee mit möglichst vielen Leuten. Viele haben Angst, das zu tun. Aber mir ist kein einziger Fall bekannt, wo eine Idee nach so einem Gespräch kopiert worden wäre. Es geht nämlich nicht nur um die Idee, sondern auch um das Team. Und wenn das austauschbar ist, ist die Idee Mist. Je mehr ich über mein Projekt spreche, umso mehr Feedback bekomme ich und umso größer sind die Chancen, dass andere darauf aufmerksam werden und Kooperationen möglich werden.


© 2003-2017 NUK Neues Unternehmertum Rheinland e.V., Köln, Telefon: 0221 / 22 67 33 33, info@neuesunternehmertum.de