18. November 2015

„Gründer müssen sich fragen, ob Kunden Handlungsalternativen haben“

Vor 15 Jahren hat Klaus Aengenvoort die Firma eTask gegründet. Erst jetzt findet seine ursprüngliche Geschäftsidee Abnehmer. Im Interview erzählt er, warum er trotzdem am Unternehmertum festgehalten hat und wie er eTask weiterentwickelte, um Geld zu verdienen.

Klaus Aengenvoort hat eTask gegründet

Klaus Aengenvoort hat eTask gegründet

Was macht eTask?

Wir haben eine Software entwickelt, die Verwaltungsarbeiten in Immobilien vereinfacht.

Was heißt das konkret?

In Gebäuden muss vieles organisiert werden – angefangen von der Aufzugswartung, über Reparaturarbeiten bis hin zur Reinigung. Früher gab es dafür festangestellte Mitarbeiter, heute machen das meistens externe Firmen. eTASK vereinfacht die Auftragsprozesse, indem wir eine elektronische Lösung anbieten. Damit wird zunächst der Auftrag verschickt, dann können die Dienstleister die Arbeit als erledigt markieren und zum Schluss wird die Rechnung bezahlt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Ich habe vorher in der Immobilienbranche gearbeitet. In meinem Arbeitsleben habe ich immer wieder zeitraubende Abläufe erlebt, von denen ich dachte, dass man die optimieren können muss. Deshalb habe ich die Software entwickelt und das Unternehmen gegründet.

Sie sind Einzelgründer und kommen aus der Immobilienbranche. Hatten Sie genug Ahnung von Softwareentwicklung?

Ich war schon immer IT-affin und konnte die Anforderungsdefinition gut erstellen. Dann habe ich allerdings gleich einen Programmierer eingestellt.

Sie haben schon vor 15 Jahren gegründet. Wie hat sich das Unternehmen seitdem entwickelt?

Es gab einige Hürden. Unsere Idee hat zwar vielen potenziellen Kunden gefallen, stieß aber auch auf Vorbehalte, weil sie angeblich zu innovativ war. Argumente waren dann, dass Handwerker keine Computer hätten oder keine E-Mails nutzten. Jetzt, nach 15 Jahren konnten wir mit Köln zum ersten Mal eine große Stadt gewinnen, die unser Handwerkerportal für alle öffentlichen Gebäude nutzt. Das war eigentlich unsere Ursprungsidee.

Woran ist die Umsetzung zunächst gescheitert?

 Viele Menschen in Deutschland tun sich schwer damit, erprobte Prozesse zu erneuern. Wenn etwas immer schon auf Papier gemacht wurde, fällt es schwer, auf digitale Prozesse umzustellen. Dabei sind Gebäude, die mit eTask betrieben werden, tendenziell kostengünstiger. Aber das müssen Manager auch erkennen.

Sie sagten Ihre Ursprungsidee käme erst jetzt richtig zum Einsatz wie haben Sie in der Zwischenzeit mit eTask Geld verdient?

Ich habe früh gemerkt, dass ich mit dem Handwerkerportal – zumindest zu der Zeit – am Markt wenig erreichen konnte. Aber wir standen ja unter Kostendruck und mussten Umsätze machen. Deshalb haben wir unsere Software nicht nur für externe Auftragsvergaben bei Immobilien eingesetzt, sondern auch als interne Lösungshilfe angeboten. Etwa wenn Belegschaften innerhalb von Bürokomplexen umziehen. Heute haben wir etwa 30 Module entwickelt und unsere Lösung technisch weiter ausgebaut. Jetzt erleben wir, dass plötzlich auch der Bedarf für die eigentliche Idee gesehen wird.

15 Jahre sind eine lange Zeit…

… die auch oft frustrierend war. Immer wieder hörte ich die gleichen Argumente, warum etwas nicht geht. Aber wenn ich dann rüber in die USA geguckt habe, habe ich gesehen, dass solche Lösungen durchaus funktionieren. Man muss nur eben auch wollen. Aber die Leute entwickeln sich weiter. Und so brauchte ich einfach Geduld, bis die Realität reif für die Innovation von eTASK war. Die Geduld zahlt sich jetzt aber auch aus. Dadurch, dass es keine schnellen Veränderungen in der Branche gibt, habe ich nun auch eine große Sicherheit – der Kunde wird ein funktionierendes Modell so schnell nicht mehr aufgeben.

Haben Sie zwischendurch ans Aufhören gedacht?

Schon. Nach fünf Jahren hatte ich das geliehene Geld an die Bank zurückgezahlt, aber da steckte ich schon in anderen Verträgen drin. eTASK zu verkaufen stand zwar immer mal wieder zur Diskussion, war aber am Ende keine Option.

Wie sehr haben Sie heute mit Wettbewerbern zu kämpfen?

Mit Blick auf direkte Wettbewerber bin ich mit der Gründungsidee konkurrenzlos. So zu denken ist aber der falsche Ansatz – so habe ich auch gedacht, als ich den Businessplan geschrieben habe. Zentraler ist aber die Frage, ob Kunden Handlungsalternativen haben. Im Fall von eTASK mussten wir immer besser sein als Excel – den das Programm ist meistens die Lösung der Kunden gewesen.

Wie schwierig war es dann, Kunden zu gewinnen?

Das fiel mir deutlich schwerer als meine Geschäftsidee zu entwickeln. Ich bin mehr Techniker als Vertriebler. Das beste Produkt bringt jedoch nichts, wenn der Kunde den Nutzen nicht erkennt. Oder wenn das Angebot dem Kunden zu innovativ, zu bieder oder zu teuer ist. Dann kauft das niemand. Deshalb war unser Anspruch, jedes Jahr Neukunden zu gewinnen, was uns auch gelungen ist.

Wie haben Sie die Gründung finanziert?

Wir haben Kapital von den Banken bekommen. Wir waren mittendrin im Dotcom-Hype und mit dem Erfolg beim NUK-Businessplan-Wettbewerb war die erste Finanzierungsrunde kein Problem. In der zweiten wollten wir auf Risikokapital setzen, dazu ist es aber nie gekommen. Deshalb sind wir kleiner geblieben als ursprünglich geplant.

Und was sind heute Ihre Ziele?

Wir wollen, dass die Immobilienbranche in Zukunft noch stärker erkennt, welches Potenzial eTASK aber auch der Einsatz von Immobiliensoftware generell bietet.

Bei einer Markanalyse haben wir von einigen Jahren herausgefunden, dass drei viertel unserer Wettbewerber von sich behaupteten Markt- oder Technologieführer zu sein; eTASK war da keine Ausnahme. Viele Anbieter haben Technologien oder Projekte, auf die sie stolz sind und bei denen gegenüber dem Wettbewerb ein Vorsprung besteht. So wächst schnell eine gewisse Selbstzufriedenheit, was aber gerade in den Anfangsjahren auch durchaus positiv ist, da so Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit entsteht.

Wenn man den Markt nicht nur bedienen sondern auch mitgestalten will, ist es langfristig aber notwendig über den eigenen Tellerrand zu schauen und offen für aktuelle Branchenthemen und auch gegenüber dem Wettberwerb zu sein.

Mit eTASK sind wir heute für die Branche aktiv und wollen unser Engagement in Zukunft weiter ausbauen. Seit 2012 organisieren wir uns in einem eigenen Branchenverband, dem CAFM-Ring. Gemeinsam mit Wettbewerbern sowie mit verwandten Branchenverbänden arbeiten wir an Standardisierungen sowie einheitlichen Schnittstellen und Formaten von denen der Markt profitiert. Das ist mit eTASK alleine nicht zu schaffen.

Außerdem wollen wir natürlich noch mehr große Kunden gewinnen – etwa die Stadt Düsseldorf. Langfristig wünsche ich mir neben Berlin und Köln auch eine Niederlassung im Süden Deutschlands.

In Ihrer Gründungsphase im Jahr 2000 haben Sie die Angebote von NUK genutzt. Wie haben Sie von der Initiative profitiert?

Das waren vor allem zwei Dinge: Einmal das Handbuch, das eine gute Vorlage war, einen Businessplan zu entwickeln. Man hat ja erstmal nur eine Idee und ist so plötzlich gezwungen, sie zu formulieren und zu bewerten. Dabei wird einem eigentlich auch schon klar, ob man das machen will oder nicht. Danach habe ich entschieden, das Risiko einer Unternehmensgründung auch wirklich einzugehen. Außerdem ist der Businessplan dann für Finanzierungsgespräche wichtig. Zum anderen habe ich vom Expertennetzwerk bei NUK profitiert. Ich habe dort einen guten Berater gehabt, mit dem ich hitzige Debatten geführt habe. Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass er mich auf genau die Punkte hingewiesen hat, bei denen es später Probleme gab. Das wollte ich aber zu dem Zeitpunkt nicht wahrhaben.

Welchen Rat können Sie den zukünftigen Unternehmern geben, die in diesem Jahr wieder das Angebot von NUK nutzen?

Sie sollen sich auf keinen Fall von langsamen, nicht innovativen Menschen abschrecken lassen, sondern sich diejenigen suchen, die sie voranbringen.


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