25. Mai 2016

„Gründen hat was von einer Achterbahnfahrt“

Die Gründerinnen von Limmaland wollten sich beruflich verändern – an ein Start-up hatten aber beide nicht gedacht. Doch dann ließ sie eine Idee nicht mehr los – und nun sind sie auf dem Weg, der Do-it-yourself-Experte fürs Kinderzimmer zu werden. Den Schritt in die Selbstständigkeit haben sie nie bereut.

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Was macht Limmaland?

Wir machen aus ganz normalen Möbeln im Kinderzimmer Spielmöbel. Dafür entwerfen und entwickeln wir Folien, die zum Beispiel aus einem kleinen Nachtschrank eine Kinderküche macht, aus einem Spieltisch einen Straßentisch oder eine Spielwiese, auf der Kinder zum Beispiel mit ihrer Holzeisenbahn spielen können. Das Spielen steht im Limmaland immer im Vordergrund.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?

Im Internet gibt es eine große Ikea-Hackerszene – also Menschen, die Ikeamöbel verändern oder ganz anders nutzen als vorgesehen. Viele Eltern posten in sozialen Netzwerken Bilder davon, wie sie im Kinderzimmer kreativ sind. Andere bedauern in den Kommentaren, dass ihnen die Zeit für die Bastelarbeit fehlt – oder sie einfach zwei linke Hände haben. So sind wir auf die Idee gekommen, dass man für diese Eltern ein Angebot schaffen kann. Mit unseren passgenauen Folien für Ikea-Möbel und wenig Handgriffe kann nun jeder Spielmöbel für seine Kinder schaffen.

Sind Eltern schwierige Kunden – immerhin geht es um Produkte für ihre Kinder?

Nein, überhaupt nicht. Wir haben an unsere Produkte die gleichen Ansprüche wie Eltern. Sicherheit war für uns von Anfang an ein wichtiges Thema. Wir kaufen Materialien nicht da, wo sie am billigsten sind, sondern wo sie am besten sind. Wir verzichten auf Folien mit Weichmachern und drucken mit ökologischer Tinte, die nicht ausdünstet. Ein anderer Aspekt ist natürlich die hohe Belastbarkeit: Die Folien sollen nicht nur gut aussehen, sondern müssen auch Spielen aushalten. Wir haben viel Energie reingesteckt, das richtige Material zu finden.

Inzwischen habt Ihr eine richtig große Auswahl an Motiven – was inspiriert Euch?

Die besten Impulsgeber sind natürlich Kinder selbst. Aber auch Eltern schreiben uns, was sie sich wünschen. Viele Ideen und Trends finden wir auch im Internet.
Dann wägen wir ab, ob es einen Markt gibt und ob sich das in der Produktion so umsetzen lässt, dass man die Folien zu einem guten Preis verkaufen kann. Es war auch ein Lernprozess. Inzwischen sind wir sehr kritisch und reflektieren alle Punkte, bevor die Produktentwicklung im Detail startet.

Auf Eurer Webseite findet man kostenlose Bastelvorlagen – warum?

Wir haben so viele Ideen, was man aus unseren Produkten – oder auch aus anderen Dingen – machen kann, die wir einfach gerne teilen. Wir wollen nicht nur Spielfolien verkaufen, sondern eine ganze Inspirationswelt eröffnen und die Menschen zur Kreativität anspornen. Gleichzeitig ist das eine bewusste Marketingstrategie: Wir haben kein großes Budget dafür, aber einen Blog und einen Newsletter möchten wir einfach schreiben, um mit der Zielgruppe in Kontakt zu bleiben. Und nach 1,5 Jahren können wir sagen: Das funktioniert gut. Und es macht einfach Spaß, dass man im Beruf seine ganze Kreativität nutzen kann.

Vor Eurer Gründung ging das nicht?

Rabea hat früher im Finanzbereich bei Procter & Gamble gearbeitet, Stefanie als Psychologin im Bereich Marketing und Kommunikation.

Klingt nicht unbedingt sehr kreativ – aber nach guten Voraussetzungen für eine Unternehmensgründung…

Besonders charmant ist, dass wir uns mit unseren Berufserfahrungen ideal ergänzen. Wir haben so viel voneinander gelernt. Trotzdem gibt es natürlich Bereiche, die wir nicht abgedeckt haben. Aber bislang hatten wir immer den Ehrgeiz, alles zu verstehen. Das ist wichtig, wenn man gründet.

Hattet Ihr schon früher den Wunsch, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Wir sind da ehrlich gesagt beide reingerutscht. Wir hatten den Wunsch, uns beruflich zu verändern und hatten fast zeitgleich die Chance, über klassische Konzernprogramme auszusteigen. Zu der Zeit ist die Idee zu Limmaland entstanden. Wir haben ein paar Start-up-Veranstaltungen besucht, sind eingetaucht in die Welt und waren total begeistert. Dann hat sich irgendwann alles verselbstständigt.

Ist Euch das schwer gefallen?

Dadurch, dass wir beide mit einer Abfindung unsere früheren Unternehmen verlassen haben, hatten wir ein gewisses Polster. Das macht es leichter, eine solche Entscheidung zu treffen. Frauen sind leider oft gar nicht so risikobereit. Es war natürlich Luxus, sich die Zeit für die Gründung nehmen zu können. Viele machen das parallel zu ihrem Job. Uns war also klar: Wenn wir wirklich gründen wollen, werden wir es nie wieder so leicht haben wie zu diesem Zeitpunkt.

Habt Ihr das seitdem bereut?

Wir empfinden das immer noch als wahnsinniges Geschenk, dass alles so gekommen ist.

Was ist das Gute am Unternehmerinnendasein?

Ohne die Gründung wären wir vermutlich immer in unserem ursprünglichen Bereich geblieben. So haben wir wahnsinnig viel Neues kennengelernt und können unsere Leidenschaft für Kreativität leben. Außerdem schätzen wir es sehr, selbstbestimmt arbeiten zu können: die unternehmerische Freiheit, auch entscheiden zu können, auszuwählen und Dinge voranzubringen. Außerdem erleben wir die ganze Kette: Von der Produktentwicklung, über die Umsetzung bis hin zum Kundenfeedback sind wir bei allem hautnah dabei. Man sieht den Zusammenhang von Arbeit und Ergebnis und das ist einfach großartig.

Gab es denn auch Herausforderungen?

Gründen hat was von einer Achterbahnfahrt. Es sind auch immer ein paar Loopings dabei. Manche Sachen gingen schneller als gedacht, andere dagegen brauchten viel länger. Wir haben zum Beispiel viel Zeit damit verbracht, eine Druckerei zu finden, die zu uns passt. Das hätten wir uns hier in der Region viel einfacher vorgestellt.

Wie habt Ihr Euch motiviert, trotzdem weiterzumachen?

Wir hatten das Glück, dass immer nur eine von uns ein Tief hatte, die andere hat dann motiviert. Außerdem haben wir ein tolles Netz – Freunde und Familie, die uns immer wieder bestärkt haben.

Ihr sagt, Frauen sind oft weniger risikobereit. Tatsächlich gründen viel weniger Frauen. Fühlt Ihr Euch als Exotinnen?

Als reines Frauenteam sind wir bestimmt eher die Ausnahme. Aber wir haben inzwischen viele tolle Gründerinnen kennengelernt und sind auch in vielen Netzwerken aktiv. Aber tatsächlich sind wir eine Minderheit. Deutschland ist, was Gründerinnen angeht, sogar Schlusslicht. Wir möchten mit unseren Erfahrungen Frauen ermuntern und ermutigen, wenn sie eine tolle Idee haben, daraus auch ein Unternehmen zu machen.

Glaubt Ihr, dass Frauen anders gründen?

Frauen fangen oft klein an, denken in machbaren Schritten. Deshalb ist das Wachstum am Anfang oft überschaubar. Männer denken dagegen oft groß, gehen von Anfang an mehr Risiken ein. Frauen fällt es oft schwer, so zu tun, als hätten sie die beste Idee aller Zeiten. Viele haben den Eindruck, erstmal mit Fleiß und Energie zeigen zu müssen, dass das Fundament stimmt. Frauen haben außerdem in der Regel eine große Leidenschaft für ihr Produkt und planen nicht, in drei Jahren den Megaexit hinzulegen. Das ist eine ganz andere intrinsische Motivation – zumindest ist das unsere Wahrnehmung. Allerdings merken wir, dass wir inzwischen auch immer risikobereiter werden und größer denken.

Was sind denn die Pläne für die Zukunft?

Langfristig wollen wir nicht nur im Foliengeschäft sein, sondern mit anderen Materialien arbeiten und so der Do-it-Yourself-Experte fürs Kinderzimmer werden. Schon jetzt sind wir an den Punkt, dass wir technologisch investieren und uns anders aufstellen müssen, um den nächsten Wachstumsschritt machen zu können. Das ist für Nicht-ITler eine ganz schöne Herausforderung, aber auch daran wachsen wir. Und natürlich gibt es weitere strategische Ziele: Ikea ist weltweit aktiv. Wir wären ja schön blöd, wenn wir das nicht für uns nutzen würden.

Zurück zu Euren Anfängen – Ihr habt bei der NUK-Gründer-Akademie mitgemacht und später auch beim NUK-Mentoringprogramm. Wie hat Euch die Initiative geholfen?

Wir sind nachhaltig beeindruckt von dem, was NUK alles bietet – und das auch noch kostenlos. Das war uns am Anfang gar nicht so klar. Wir haben die Coaching-Abende intensiv für konkrete Fragen genutzt und natürlich im Wettbewerb von den Gutachtern wichtiges Feedback erhalten. Das ging im Mentoring weiter. Oft sind es ja die Dinge, die man erst gar nicht so gern hören will, die einen dann weiterbringen. Dementsprechend können wir jeden ermuntern, bei NUK mitzumachen.

Habt Ihr noch mehr Tipps für Gründer?

Man braucht Ausdauervermögen und Hartnäckigkeit. Und das wichtigste ist vermutlich: Sprecht über eure Idee. Damit haben wir uns am Anfang auch schwer getan. Aber nur so läuft einem der richtige Kontakt über den Weg oder man bekommt Hilfe, wenn man ein Problem hat. Und dann gilt natürlich: Nicht nur reden, sondern auch ins Tun kommen. Als Start-up muss man immer darauf achten, dass man seinen Fokus nicht verliert.


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