26. Januar 2016

„Durchhaltevermögen ist bei Gründern wichtiger als Talent“ 

Bewerbungshilfe für Arbeitgeber diese Idee hat Peer Bieber aus Neuseeland mitgebracht und darauf in Deutschland sein Unternehmen TalentFrogs aufgebaut. Im Interview verrät er, warum er immer noch seinen Innovationsstatus erhält und worauf Gründer bei der Mitarbeitersuche achten sollte. 

Peer Bieber hilft Unternehmen, attraktiver zu werden

Peer Bieber hilft Unternehmen, attraktiver zu werden

Was macht TalentFrogs? 

TalentFrogs ist eine Recruting-Agentur, die Arbeitgeber attraktiver macht. Das gelingt uns, indem wir den Spieß umdrehen – der Arbeitgeber bewirbt sich bei den Kandidaten und nicht andersrum. So verhelfen wir mit innovativen und kreativen Konzepten den Arbeitgebern zu besseren Personallösungen. Wir sind allerdings keine Vermittlung, sondern Experten darin, Unternehmen attraktiver zu machen. Wir sind jetzt fünf Jahre am Markt und haben 2500 Kunden. Neben kleineren Büros arbeiten wir auch für große Bestandskunden im Bereich Maschinenbau oder aus der Automobilbranche.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen? 

Ich habe lange in Neuseeland gearbeitet. Dort habe ich erlebt, wie innovativ Unternehmen mit dem Fachkräftemangel umgehen. Diese Ansätze habe ich aufgegriffen und mit nach Deutschland gebracht.

Wie heben Sie sich von der Konkurrenz ab? 

Wir sind die einzigen am Markt, die aus Bewerbersicht agieren und haben deshalb immer noch den Innovationsstatus. Es gab zwar zwischendurch Firmen mit ähnlichem Konzept, die sind aber wieder vom Markt verschwunden.

Team:TalentFrogs
Unternehmensgründung:2010
NUK:Teilnehmer 2011
Auszeichnungen:eco Internet Award 2015
Mitarbeiter11
Kontakt:TalentFrogs GmbH
Lindenallee 24
50968 Köln, Deutschland

http://www.talentfrogs.de/
War es schwer, sich auf dem Markt zu etablieren?

Es brauchte Geduld. Nicht jedes Unternehmen springt sofort auf eine neue Innovation an. Gerade beim Großkunden braucht es manchmal Jahre, bis es zum Erfolg führt. Schlüsselwörter in den ersten Jahren waren deshalb Durchhaltevermögen und Kompetenz – sonst hätten wir es nicht geschafft.

Hatten Sie Sorge zu scheitern?

Ich war von Anfang an sehr optimistisch. Mit der Jobbörse für Quereinsteiger und der Arbeitgeberbewerbung hatten wir gleich viel mediale Aufmerksamkeit und gute PR. Außerdem haben wir Preise gewonnen, was uns ebenfalls voran getrieben hat. Vieles wird leichter, wenn Dritte beurteilen, dass es durchaus Hand und Fuß hat, was man da macht. Dafür sind wir sehr dankbar.

Sie haben längere Zeit als Angestellter für Unternehmen gearbeitet. Hatten Sie schon länger den Wunsch, sich selbstständig zu machen? 

Ich habe 13 Jahre lang in Unternehmen gearbeitet und dort Wissen und Erfahrung gesammelt. Was ich dort gelernt habe, kommt mir jeden Tag zu Gute. Deshalb rate ich jungen Menschen auch immer, erstmal Erfahrungen zu sammeln, zu sehen, wie es läuft, bevor sie gründen. Im letzten Jahr meines Angestelltenverhältnisses hat sich dann die Idee entwickelt, selbst ein Unternehmen zu gründen. Ich habe mich viel mit Unternehmern ausgetauscht, die mich inspiriert haben.

Wie haben Sie dann die Gründung finanziert?

Komplett mit Eigenkapital.

Sie haben TalentFrogs 2010 gegründet. Wie hat sich das Unternehmen seitdem entwickelt?

TalentFrogs ist kontinuierlich mit dem Markt gewachsen. Die ersten 1,5 Jahre habe ich alleine im Unternehmen gearbeitet und alle anderen Aufgaben outgesourced. Dann kamen die ersten Mitarbeiter. Ich habe mich bewusst gegen externes Kapital entschieden, um unabhängig zu bleiben. Ich glaube an den Leitsatz „small is beautiful“. Die Flexibilität ist charmant, man kann schneller am Markt agieren. Weil wir so agil sind, konnten wir uns auch gegen andere, riesige Player durchsetzen.

Was sind Ihre nächsten Ziele? 

Wir wollen wie bisher kontinuierlich und mit unseren Kunden wachsen, weil wir so unsere internen Strukturen mitentwickeln können.

Sie hatten Ihr Unternehmen bereits gegründet und haben dann trotzdem 2011 am NUK-Businessplan-Wettbewerb teilgenommen. Warum? 

Ich wollte das, was ich bis dahin gemacht hatte, auf den Prüfstand stellen. Ich hatte noch mehr Innovationen in der Pipeline und war froh, von den NUK-Experten Feedback zu erhalten. Davon habe ich sehr profitiert. Außerdem habe ich gemerkt, dass es ein Netzwerk gibt. Man ist und kämpft nicht allein. Gerade als Sologründer ist der Austausch mit Gleichgesinnten sehr befruchtend.

Welchen Rat können Sie Teilnehmern der NUK-Gründerakademie geben? 

Man muss nicht unbedingt der Allerbeste am Markt sein, sondern Durchhaltevermögen haben. Das ermöglicht einen unter Beweis zu stellen, wie gut man ist. Ein Gründer kann das beste Talent haben. Wenn er am Ende nicht verkaufen oder durchhalten kann, bringt das nichts.

Da Sie der Experte sind – können Sie den Gründern auch noch Tipps geben, worauf man bei der Mitarbeiterwahl achten sollte? 

Sie sollten authentisch und ehrlich sein. Wenn sie einen Sachbearbeiter suchen, sollen sie den auch so nennen und keinen Fallmanager daraus machen. Außerdem sollten sie sich überlegen, ob sie Mitarbeiter suchen oder Mitunternehmer. Man kann von Angestellten nicht das gleiche Engagement erwarten wie von einem Mitgründer. Dessen muss man sich bewusst sein. Wenn das der Fall ist, kann man auch sehr erfolgreich als Start-up gute Mitarbeiter gewinnen, auch wenn man noch nicht die riesigen Gehälter zahlen kann.

 


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