6. Juni 2008

Holzweg oder Ticket nach Starnberg?

Die Wahrheit über das Web 2.0, so das Fazit nach dem vergangenen NUK-Themenabend, liegt aus wirtschaftlicher Sicht wie immer dazwischen.NUK-Themenabend am 03. Juni 2008

Ja, es ist bereits vom schleichenden, aber unaufhaltsamen Web 2.0-Sterben die Rede. Ja, der Markt ist überhitzt. Investoren haben lange Zeit für alles mit einem 2.0-Stempel zu viel Geld ausgegeben. Allerdings wird selbst bei vielen “Stars” des Web 2.0 noch kein Geld verdient. Wie man eine große Anzahl an Community-Mitgliedern auch zu einem wirtschaftlichen Erfolg machen kann, müssen Seiten wie YouTube, flickr oder studiVZ noch zeigen. Sogar in Bereichen wie Verweildauer oder Besucherzahl müssen große Communitys wie facebook mittlerweile mit sinkenden Zahlen kämpfen. Positive Ausnahme ist hier XING, die mit Premium-Mitgliedschaften Gewinn erwirtschaften. Allerdings geht laut Konstantin Ewald auch hier der Anteil der bezahlten Mitgliedschaften zurück: “Und wenn die Leute es irgendwann langweilig finden zu sehen, wer auf Ihrem Profil war, könnte dieser Anteil noch weiter sinken”.

Hinzu kommt, dass Deals in wahnwitziger Höhe (StudiVZ, XING) die Fantasie vieler junger Gründer angeheizt haben. Neue Communitys sprießen täglich aus dem Boden. Beispiele: studivz, nur!studenten.de, studentum, students.de, studentsSN oder studi.net etc. Wie viele Studenten-Netzwerke benötigt das Internet? Jungen Web 2.0-StartUps fehlt zudem häufig die Strategie ihr Geschäftsmodell zu einem wirtschaftlichen Erfolg zu bringen. Nutzer des Webs sind an kostenlose Angebote gewöhnt und lassen sich nicht gern “kommerzialisieren”, wie das Beispiel studiVZ zeigt. Die Strategie “Werbung und Premiummodelle” steht heute in 90 Prozent der Businesspläne von Web 2.0-StartUps – auch bei den vielen Einreichungen aus diesem Bereich im NUK-Businessplan-Wettbewerb 2008 habe ich das oft gelesen. Damit allein lassen sich Investoren heute nur noch schwer überzeugen. Auch deshalb nicht, weil sie sich keine Gedanken über einen Exit gemacht haben. Den suchen Online-Communitys aus der Not heraus mittlerweile zunehmend auf eBay. “Funktionierende Social Network Communitys” werden zwischen zehn und vierhundert Euro angeboten und finden teilweise dennoch keinen Käufer. Neue, interessante Märkte und Zielgruppen werden falsch angegangen. Konstantin Ewald: “Die Generation 50+ hat nun mal andere Anforderungen an Communitys. Diese Personen möchten keine “Freunde adden” oder Nachrichten ins Gästebuch posten.”

Die Referenten der NUK-Podiumsdiskussion

Also alles schlecht im Web 2.0? Ist der Hype unbegründet? Platzt die Blase? – NEIN!

Investoren wie Jörg Binnenbrücker, Geschäftsführer des DuMont Venture Fonds, glauben fest an die goldene Zukunft des Mitmachnetzes. Allerdings wird man durch reines Kopieren von Geschäftsmodellen auch in Zukunft nicht reich werden. Mit kleineren “neuen Features” kann man sich nicht genug von den Großen abgrenzen. Neue Ansätze, innovative Techniken, das intelligente Verknüpfen von bestehenden Funktionen; das sind Wege, wie man heute als junges StartUp die großen Elefanten wie Google auf dem Markt noch überholen kann. “Es muss ein klares Bedürfnis der Kunden befriedigt werden, dann besteht Aufsicht auf Erfolg”, so Binnenbrücker.

Das Bedürfnis Ranglisten zu erstellen und seine persönlichen Favoriten aus Songs, Filmen oder Witzen in eine Reihenfolge zu bringen löst woobby, das junge StartUp von Dr. Thomas Goette und seinen beiden Mitgründern der Freundliche Netzwerke GmbH. Er zeigte, wie man selbstfinanziert in kurzer Zeit zu beeindruckenden Klickraten und Google-Rankings kommen kann.

Der Abend in einer Nussschale: Das Web 2.0 ist kein Zug, auf den man leicht aufspringen kann, um nach kurzer Zeit an seiner neuen Villa am Starnberger See anzukommen. Es ist ein rasant wachsender Markt, der sich sehr schnell und ständig ändert und in eine andere Richtung laufen kann. Zudem sind bereits eine große Menge an Big Playern mit viel Kapital aktiv.
Aber genau diese Punkte bieten große Chancen für kleine, flexible und innovative StartUps. Wer die richtige Nische findet und sein Geschäftsmodell mit dem nötigen Glück am Markt platziert, der kann auch heute noch die großen Elefanten überholen und schnell reich werden. Es kann auch nicht schaden, sich an diese Tipps zu halten. Oder um wie Jörg Binnenbrücker bei unserer Veranstaltung am Dienstag Marc Andreessen, den Netscape-Gründer, zu zitieren: “Be so good, they can’t ignore you!”

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