2. Dezember 2015

„Innovation ist daran zu glauben, dass es besser geht“

Voss

Matthias Voss spricht über Innovation

Wie kann ein Unternehmen wachsen, wie kann es der Konkurrenz standhalten? Schnell fällt Begriff „Innovation“. Wie ein Unternehmen diesen Begriff mit Leidenschaft und Erfolg füllt, erlebten die Gäste des NUK-Forum Innovation bei GKN Sinter Metals Components GmbH in Bonn. 

Schnell wirbelnde Motoren, feine Rädchen, spannende Lehrtafeln – die Gäste des NUK-Forum Innovation hatten im InnovationsCenter von GKN Sinter Metals Components GmbH am 24. November in Bonn viel zu gucken und zu bestaunen. „Wenn man sich hier umschaut, ist man von Innovation umgeben“, sagte Stefan Sauerborn, Leiter des Service Centers Wirtschaft der Stadt Bonn, in seiner Begrüßung.

Die Bedeutung des Themas für Gründer, machte NUK-Projektleiterin Cornelia Wohlrab deutlich: „Innovation ist eine neuartige Lösung für ein Problem. Ohne sie gibt es keinen langfristigen Erfolg.“ Das gelte für Start-ups genauso wie für alteingesessene Unternehmen. „Man braucht Zeit und Freiräume und Kreativität in allen Bereichen“, ergänzte Wohlrab.

Wie das praktisch umgesetzt werden kann, zeigte Matthias Voss, Operations Director bei GKN, in seiner Präsentation. „Wir gehören zu den Topzulieferern der Automobilzulieferer. Unsere Philosophie ist: Wenn man etwas macht, sollte man den Ehrgeiz haben, vorne dabei zu sein. Um dahin zu kommen, muss man zukaufen oder innovativ sein“, sagte er und ergänzte: „Innovation ist daran zu glauben, dass es besser geht“, sagte Voss. Das funktioniere aber nur, wenn man ganzheitlich ans Thema herangeht. Für GKN bedeutet das nicht nur auf der Produkt-, sondern auch auf der Prozess- und der Mitarbeiterebene vorausschauend zu planen.

Das Unternehmen arbeitet im Bereich Pulvermetallurgie. „Wir haben die Herstellung des Pulvers in unser Unternehmen integriert. Das hat uns viel gebracht“, erzählte Voss. Auch bei den Werkzeugen, mit denen gearbeitet wird, sei das Unternehmen innovativ: „Ich kann eine Presse kaufen, das kann der Wettbewerber aber auch. Wenn ich eine entwickeln lasse, ist der Hersteller daran interessiert, dass neue Produkt an noch mehr Kunden zu verkaufen“, sagte Voss. Echte Innovation sei es jedoch, selbst eine Presse zu entwickeln, die sowohl energietechnisch als auch bei der Produktherstellung besser ist als andere. Das hat GKN gemacht „Da ist viel Herzblut reingeflossen – aber auch viele Wochenenden sind dabei draufgegangen“, erinnerte sich Voss. Aus dieser Entwicklung sei eine ganze Pressefamilie entstanden, die heute im eigenen Unternehmen weltweit eingesetzt wird.

„Man kann nicht einfach sagen: Seid kreativ“

Allein bei GKN in Bonn werden im Jahr 700 verschiedene Teile hergestellt und verkauft. „Wir können aber nicht einfach so weitermachen und hoffen, dass wir in zehn oder 15 Jahren noch immer die gleichen Dinge produzieren“, sagte Voss. Dann könne das Unternehmen mit dem schnellen Wandel der Automobilindustrie nicht mithalten. „Also haben wir uns mit den Megatrends beschäftigt, die in den nächsten Jahren die Industrie beschäftigen werden – Mobilität ist mehr denn je Thema.“ Heute gehe es um die Energieversorung, um Sicherheit und Umweltschutz. „Wir wollen weiter wachsen. Aber das geht nur, wenn wir Dinge erfinden, die Probleme der Kunden lösen – und wenn der Kunde bereit ist, mehr zu zahlen“, sagte Voss. Sein Rat an die jungen Unternehmer war deshalb auch, nicht erst zu warten, bis Kunden Probleme vorstellen, sondern schon selber darüber nachdenken, was die neuen Probleme sein könnten und daran zu arbeiten.

„Innovative Ideen und Prozesse sind natürlich gut – aber sie sind nichts wert ohne die Mitarbeiter, die mit den Maschinen etwas anfangen können, zur Weiterbildung bereit sind, die Kunden die neuen Ideen verkaufen“, betonte Voss. Deshalb sei für GKN eine wichtige Frage, wie man eine Innovationskultur im Unternehmen schaffen könne. „Das kann mit kleinen Dingen beginnen – wie diesem InnovationsCenter, wo sich Mitarbeiter die Entwicklungen anschauen können. Oder wir erklären in der Fabrik ein neues Bauteil“, sagte Voss. Dass sei auch deshalb gut, weil so alle Mitarbeiter aktiv mitdenken und Einwände, Vorschläge und Ideen einbringen könnten.

„Innovation muss wirtschaftlich sein“

„Man kann den Menschen nicht einfach sagen: ‚Seid kreativ!‘, sondern muss als Unternehmer den Rahmen dafür schaffen“, ergänzte er. Gute Ideen würden auch oft von den Werkbänken kommen: „Wenn der Mitarbeiter aber dann auf verschlossene Türen in der Führungsebene trifft, kann die Idee nicht weiterentwickelt werden – deswegen haben wir die Open-Door-Regel.“ Und noch etwas fördere die Kreativität der Mitarbeiter: „Allein in Bonn arbeiten Menschen aus 30 Nationen. Sie kommen aus verschiedenen Kulturen und haben andere Arbeitsweisen – das fördert auch die Innovation.“ Auch die Ausbildung habe bei GKN einen großen Stellenwert – in Bonn gibt es ein eigenes Ausbildungszentrum.

Aber das Unternehmen fördert innovatives Arbeiten auch ganz konkret. In Workshops wird interdisziplinär über neue Herausforderungen diskutiert. „Manchmal gibt es 24 Stunden Sitzungen zu einem bestimmten Thema“, erzählt Voss und erklärt gleich danach: „Da sitzen wir natürlich 24 Stunden am Stück zusammen – aber 24 Arbeitsstunden lang machen wir nichts anderes, als über die Frage zu diskutieren. Ein anderes mal war die Belegschaft zusammen im Deutschen Museum in Bonn. „Eine andere Umgebung fördert neue Denkansätze“, ist sich Voss sicher. So hat die GKN auf vielen Ebenen Prozesse eingerichtet, die Innovation im ganzen Unternehmen fördern und so den Erfolg sicher. „Man kann auch mal Geld verbrennen, wenn man etwas ausprobiert. Aber in einem Unternehmen muss Innovation immer auch wirtschaftlich sein“, sagte Voss.

Dass Voss den Gästen des Forums viel Anregung gegeben hatte, zeigte sich auch bei der anschließenden regen Diskussion, bei der noch Fragen zu Patenten, 3D-Druck und vielem mehr von Matthias Voss beantwortet wurden. Auch beim anschließenden Get-together wurde munter weiter über das Thema des Abends diskutiert.


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