23. Oktober 2015

Im Scheitern Chancen finden

Rechtsanwalt Axel Staudt und Mehrfachgründer Jan van Randenborgh machten Jungunternehmern Mut mit guten Tipps und privaten Geschichten.

Interessiertes Publikum beim Vortrag im Hause Franz RechtsanwälteWenn eine Geschäftsidee scheitert, dann zerplatzen Träume. Meist die ganz großen, mit denen junge Unternehmer die Welt, das Leben um sich herum oder zumindest die eigene Karriere besser machen wollten. Wer vor einem Scherbenhaufen steht, findet nur selten Chancen darin. Das Rheinische Unternehmerforum half mit seiner Veranstaltung „Failure – Scheitern als Chance“ allen interessierten NUK-Alumni-Club-Mitgliedern beim Suchen. In den Räumlichkeiten der Kanzlei FRANZ Rechtsanwälte in Düsseldorf referierten Anwalt Axel Staudt und Mehrfachgründer Jan van Randenborgh über das Thema, das jedem Jungunternehmer mit guten Ideen Angst macht. Dabei stellte van Randenborgh gleich zu Beginn klar: „Wer erfolgreich ist, scheitert auch.“

Die Untrennbarkeit von Scheitern und Erfolg war dann auch der rote Faden im Vortrag des Unternehmers. Van Randenborgh weiß, dass das Scheitern den Jungunternehmer hart trifft, weil die eigene Firma sehr eng mit der Persönlichkeit, den Hoffnungen und Träumen des Start-Uppers Referent van Randenborghverbunden ist. Van Randenborgh scheute sich nicht, seine goldenen Regeln für Jungunternehmer mit intimen Geschichten zu unterlegen. So erzählte er etwa vom Krebstod seiner Mutter und wie ein Kunde van Randenborgh noch vom Sterbebett weg an den Schreibtisch zitieren wollte. „Wir konnten die 200.000 Euro des Kunden damals gut gebrauchen“, sagte Van Randenborgh, dem damals wie vielen jungen Unternehmen die Arbeit vor allem anderen ging. „Doch in diesem Moment war eine persönliche Grenze erreicht.“ Jeder hätte diese Grenzen und man solle sie niemals überschreiten, machte er den Jungunternehmern klar. Sowieso müsse mit der eigenen Energie ebenso streng gehaushaltet werden wie mit dem Geld. Eine Herzmuskelentzündung und einen chronischen Tinnitus hat van Randenborgh etwa aus besonders stressigen Phasen davongetragen. „Der Körper holt sich alle Energie wieder zurück.“

Doch seine goldenen Regeln sollen Start-Upper für schlechte und stressige Zeiten wappnen und inspirieren – eine Auswahl:

  • Eine frühe Festlegung auf einen bestimmten Bereich ist immer Segen und Fluch.
  • Mach nicht nur, was dir Spaß macht, sondern etwas, in dem du besser bist als andere.
  • Plane immer für den schlechten Fall und nicht für den guten.
  • Halte den Gründungsmoment der Firma fest, er gibt dir in schlechten Zeiten Kraft.
  • Arbeite erst einmal angestellt und baue dir ein Netzwerk auf, ehe du gründest.
  • Frage dich immer, ob deine Mitarbeiter unter- oder überfordert sind.
  • Delegieren ist schwieriger als man denkt, aber dringend nötig.

Van Randenborgh gab zu, dass er sich nicht immer an diese Regeln gehalten hat und dass er die meisten davon bitter lernen musste. Doch sie wirkten durchweg mutmachend auf die anwesenden Gründerinnern und Gründer. „Diese Soft-Infos hatte ich so nicht erwartet“, sagte Neugründer Panagietis Lambianos. „Aber es war wichtig, sie noch einmal vor Augengeführt zu bekommen.“

Gosia Kollek, Gründerin der Firma Wandpiraten, konnte sich mit dem Vortrag voll identifizieren. „Eine Gründung läuft selten so, wie man es ich vorher gedacht hat. Kopfzerbrechen ist völlig normal. Diese Themen zu besprechen, ist daher sehr wichtig.“

Die Referenten Staudt und van Randenborgh beantworteten die Fragen des PublikumsIm anschließenden Gespräch zwischen Jan van Randenborgh und Axel Staudt, das von NUK-Projektleiterin Cornelia Wohlrab geleitet wurde, kamen dann doch auch noch die rein ökonomischen Aspekte des Scheiterns zur Sprache. So gab Staudt wertvolle Tipps, wie sich eine junge Firma früh rechtlich rüsten soll. „Ganz wichtig ist, dass alle Dokumente rund um das Team so angelegt sind, dass das Team jederzeit schnell erweitert werden kann. Das wird oft vergessen“, erklärte Staudt. Apropos Team: „So früh wie möglich sollten Reviews und Qualitätsprüfungen eingeführt werden!“ mahnte van Rendenborgh. Anwalt Staudt stellte abschließend klar, dass innerhalb seiner der Kanzlei FRANZ das Scheitern nie als Makel gesehen wird. „Ganz im Gegenteil. Nur besagt eine Shell-Studie ja leider, dass junge Leute nicht risikobereit seien.“

„Die Risikobereitschaft hängt immer damit zusammen, wie leicht einem das Gründen gemacht wird“, ergänzte van Randenborgh und wählte zum Abschluss wieder mutmachende Worte: „Wenn es nicht geklappt hat, so hat man am Ende doch eine coole Zeit gehabt.“

Wir danken unserem Sponsor Franz Rechtsanwälte für  die Ausrichtung dieses Abends.


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