13. April 2017

„Startups können eine Welt schaffen, die ein besserer Ort ist“

Frank Behrendt ist davon überzeugt, dass Unternehmen geführt werden sollten wie Familien. Wie das praktisch aussehen kann? Das hat er beim Kamingespräch in der Marienburg einigen NUK-Alumni verraten. Ein spannender Abend, der in Kanada begann und auf dem Raumschiff Enterprise nicht endete.

Frank Behrend beim NUK-Kamingespräch in der Marienburg.

Frank Behrendt kam nicht allein. Während seines Vortrags über Unternehmensführung hatte er einen lebensgroßen Pappaufsteller von Leonard Nimoy – besser bekannt als „Mr. Spock“ vom Raumschiff Enterprise – neben sich platziert. Auf dem Tisch standen die dunkelgrünen Winnetou-Ausgaben, die Kindheitserinnerungen wecken. Dort hatte der frisch gekürte „PR-Kopf des Jahres“ außerdem eine kleine Lagerfeuer-Szenerie aus alten Timpo-Toys-Figuren aufgebaut.

Sich mit Dingen zu umgeben, die einen an glücke Kindheitstage erinnern, ist einer von Behrendts „Zehn ernsthaften Ratschläge, wie man locker durchs (Berufs-)Leben kommt“. „Die Kindheit ist eine der stärksten Kraftquellen, die man haben kann“, davon ist er überzeugt.

Ein weiterer Rat von ihm: „Liebe deine Familie, deine Freunde, dich selbst und das Leben. Aber nie deinen Job.“ Ein Widerspruch zum Leben als Gründer? Immerhin hat eine Studie aus Helsinki gezeigt, dass Startuper ihre Unternehmen so lieben wie Eltern ihre Kinder. War der Manager damit der Falsche fürs Kamingespräch mit Gründern, zu dem HDI NUK-Alumni im März in die Marienburg geladen hat?

Im Gegenteil! Denn Behrendt hat auch den Gedanken geprägt, dass Unternehmer eine Firma wie eine Familie führen sollte. So entstehe eine gute Betriebskultur. Außerdem gestand Behrendt, rede er besonders gern vor Gründerinnen und Gründer: „Startups können eine Welt schaffen, die ein besserer Ort ist. Ihr seid in der Lage, etwas zu verändern.“

Das Zauberwort in der Arbeitswelt ist nicht „bitte“

Das gilt nicht nur für ihre Ideen, sondern auch für die Führungskultur. „Es gibt ein Wort, das in der Wirtschaftswelt nicht ausgesprochen wird. Darum haben wir heute so eine große Burnout-Quote“, erklärte Behrendt den jungen Unternehmern. „Motiviert eure Mitarbeiter, ‚nein’ zu sagen, wenn sie einen unsinnigen Arbeitsauftrag bekommen oder einfach überlastet sind.“ Denn gesunde Mitarbeiter brächten ein Unternehmen weiter als ausgebrannte. „Das gilt für Startups umso mehr. In kleinen Teams ist die Arbeitskraft jedes einzelnen besonders wichtig.“

Wer ein Unternehmen führt, sollte außerdem jedem neuen Mitarbeiter das Gefühl geben, Teil einer Familie zu werden: „Für mich gehört dazu, dass ich mir für den neuen Kollegen an seinem ersten Arbeitstag eine Stunde Zeit nehme – für einen Kaffee oder ein Mittagessen.“ Leadership bedeutete zudem, für Mitarbeiter da zu sein. Besonders wenn es ihnen schlecht geht. Auch das zahle sich fürs Unternehmen aus. Denn wenn sich Mitarbeiter wertgeschätzt fühlen und Spaß bei der Arbeit haben, würden Ziele schnell übererfüllt: „Mitarbeiter sind auch bereit, Überstunden zu machen am Wochenende und am Abend zu arbeiten, wenn der Chef ihnen erklärt, warum das sein muss.“ Das dürfe jedoch nicht zur Regel werden, denn gute Mitarbeiter hätten auch ein gutes Privatleben. Keinem Unternehmen helfe es, wenn sie wie Maschinen und Roboter arbeiteten. „Als Gründer seid ihr Inspiratoren. Menschen, die sich bei euch bewerben, müssen gerne für euch arbeiten wollen.“

Mit vielen persönlichen Geschichten zeigte Frank Behrendt, wie jeder einzelne glücklich, aber auch erfolgreich ein Unternehmen führen kann. Selbst das Spielzeug ist für ihn nicht nur Inspirationsquelle, er hat damit auch Millionen verdient: Mithilfe der Timpo-Toy-Figuren hat er einen großen Pitch gewonnen.


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