25. Juni 2009

Unternehmensgründungen in Zeiten der Krise

Jörg Püschel, NUK-Berater der ersten Stunde und im NUK-Team Ansprechpartner für die Business Angel-Börse, sieht in der Wirtschaftskrise auch eine Chance für Existenzgründer.

Existenzgründer, die eine Geschäftsidee haben und daraus ein Unternehmen entwickeln und aufbauen möchten, müssen sich mit der Beantwortung und Bewältigung einer Vielzahl von Fragen und Problemen auseinander setzen. Seit Herbst letzten Jahres kommt für sie eine weitere Herausforderung hinzu: die Krise!

Kein Tag, an dem nicht über die Krise geredet und geschrieben wird. Viel gesprochen wird über die Ursachen, aber keiner kennt den Verlauf oder kann gar ein Ende der Krise absehen. Und wenn es schon für Experten schwer ist die Auswirkungen der Krise zu prognostizieren, dann ist es für Existenzgründer, die noch nicht wirklich am Markt aktiv sind, umso schwerer abzuschätzen, was die Krise mit ihrem – noch gar nicht gegründeten – Unternehmen anrichten wird.

Hier gilt es für den Existenzgründer einen kühlen Kopf zu bewahren und zu überlegen, was sich denn an den Rahmenbedingungen für die Gründung tatsächlich geändert hat. Möglicherweise lässt sich die momentane Wirtschaftskrise auch als Chance und ideale Zeit für Existenzgründungen bezeichnen.

In Krisenzeiten müssen viele Existenzgründer sich sehr viel genauer überlegen, wofür sie ihr knappes Geld ausgeben wollen. Sie werden gezwungen, sich auf das Wesentliche einer Gründung zu konzentrieren: die Kundenorientierung, das wichtigste Element einer Existenzgründung. Denn dies benötigen Existenzgründer vor allem anderen: Kunden! Kunden, die willens und die in der Lage sind, für Leistungen zu bezahlen. Diese Tatsache ist vollkommen unabhängig von jedweder Krise zu betrachten.

Daneben müssen auch in der Krise die grundsätzlichen Instrumente einer Unternehmensgründung erstellt werden: Ein guter Businessplan und die dazugehörige Finanzplanung sind unabdingbare Voraussetzungen für den Start. Möglicherweise beruhen die Inhalte der Finanzplanung zurzeit auf unsicheren Annahmen, dennoch bleibt eine sorgfältige Erstellung der Planung ein Muss. Damit sind aber auch die möglichen Auswirkungen der Krise berücksichtigt.

Auch der vielleicht wichtigste Punkt der Existenzgründung bleibt von jedweder Krise unberührt: Hat der Existenzgründer unternehmerische Talente, kann er persönlich durch seine Person überzeugen und seine Geschäftsidee "verkaufen".

Auch wenn die Gründerperson und der Businessplan überzeugen, wird der Existenzgründer noch weitere Hindernisse auf dem Weg in die Selbstständigkeit überwinden müssen. Vor allem die Frage der Finanzierung wird Viele möglicherweise vor große Schwierigkeiten stellen.

Dazu muss man wissen, dass das Verhältnis von Kapitalsuchenden und Kapitalgebern ohnehin nie leicht war. Viele Existenzgründer können oft nicht nachvollziehen, warum sie möglicherweise keine Finanzierungszusagen bekommen (ob berechtigt oder nicht) und schimpfen deshalb ohne Differenzierung auf Investoren und Finanzmanager. Und dass es seit Beginn der Krise fast täglich neue Enthüllungen aus der Bankenwelt gibt, trägt nicht dazu bei dieses Verhältnis zu verbessern.

Es gilt aber nach wie vor: Existenzgründer mit einer guten Geschäftsidee, dargestellt in einem plausiblen Businessplan, haben trotz der Finanzkrise keine Schwierigkeiten, Fremdkapital für ihr Vorhaben zu erhalten.

Auch an der Bereitstellung von öffentlichen Fördermitteln für Existenzgründer durch die beiden Förderbanken KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau und NRW.Bank hat sich trotz Finanzkrise nichts geändert. Und auch die Bereitschaft der Sparkassen, diese öffentlichen Mittel an Existenzgründer weiterzureichen, ist ungebrochen: Es sind heute vor allem die Sparkassen in Deutschland, die sich um Existenzgründer und Jungunternehmer kümmern und die meisten Gründungen begleiten.

Gerade das Umfeld für technologie- und wissensbasierte Existenzgründungen hat sich am wenigsten geändert oder gar verschlechtert. Im Gegenteil, denn zukunftsweisende Technologien sind nicht nur relativ unabhängig von Konjunkturzyklen; möglicherweise haben sie in Zeiten der Krise sogar noch Vorteile: Durch den Einsatz von neuen Verfahren können die Kunden Kosten sparen, ihre Effizienz erhöhen und andere Märkte erschließen. Sie sind deshalb bereit, schneller als sonst die neuen Technologien der jungen Gründerunternehmen einzusetzen.

Gleich zwei innovative Entwicklungen, für die diese Rechnung aufgehen könnte, finden sich übrigens unter den frischgekürten Siegern des 12. NUK-Businessplan-Wettbewerbs: VAWTix und RCD Rough Coating Design – hoffentlich sehen deren künftige Kunden das so wie ich!


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