29. November 2013

„Unternehmer sein ist Schach spielen und nicht Roulette“

Was macht einen guten Gründer aus? Muss er sich anpassen können oder seinen Kopf durchsetzen, sollte er viel Überstunden leisten oder Aufgaben delegieren, um mehr Zeit für sich zu haben? Um all diese Fragen ging es beim NUK-Forum im Senats-Hotel in Köln.

Wolgang Kierdorf diskutierte mit Dr. Claudia Mika, Christoph Kind und Tobias Modjesch (von links)über die Frage, was einen guten Gründer ausmacht

Wolfgang Kierdorf diskutierte mit Dr. Claudia Mika, Christoph Kind und Tobias Modjesch (von links) die Frage, was einen guten Gründer ausmacht.

Ein Unternehmer denkt vor allem ans Geld, handelt oft unsozial und schert sich nicht besonders um seine Mitarbeiter – so oder ähnlich klingen gängige Klischees, die auch gerne auf Gründer übertragen werden. Dass dieses Bild in den allermeisten Fällen an der Realität vorbei geht, hat inzwischen auch die Wissenschaft erkannt. Das erzählt NUK-Projektleiter Patrick Kom als er die Gäste des Forums „Was zeichnet einen verdammt guten Gründer aus?“ begrüßte. Er zitiert aus dem Artikel „Schummeln, Schwänzen, Karriere machen“. Der räumt zwar mit dem Bild des asozialen Unternehmers auf, schafft aber gleich ein neues: Menschen, die ein Unternehmen gründen, waren – zumindest in ihrer Kindheit und Jugend – häufig rebellisch und hielten sich wenig an Regeln.

„Gründer benötigen viele Talente und Qualifikationen – das hört man zumindest oft“, sagte Ulrich Becher vom GIZ zu Beginn des Abends. „Das klingt immer so, als seien das alles wahre Supermänner und -frauen“, fügte er hinzu. Er sei deshalb gespannt, was die Wissenschaft zu diesem Thema zu sagen habe und leitete damit über zum Vortrag des Referenten Wolfgang Kierdorf. Der studierte Wirtschaftsinformatiker arbeitet als Business Angel und Berater, seit fast 25 Jahren hilft er Gründern, Unternehmen aufzubauen – und hat selbst über 20 (mit)gegründet.

 „Ein Unternehmer muss sich zurückziehen können“

Wolfgang Kierdorf

Wolfgang Kierdorf

„In welcher Situation sehen sich Selbstständige?“, fragte Kierdorf das Plenum. „Nachts am Schreibtisch“, lautete die spontane Antwort. Ein ähnliches Bild hatte Kierdorf mitgebracht: Ein Hamster in seinem Rad. „Selbstständigkeit ist nicht das Ziel“, sagte er. Sie allein schaffe keine Werte. Sie sei eine Etappe auf dem Weg zum Unternehmer. Er wählt das Beispiel eines Dachdeckers, der sich über Jahrzehnte einen zuverlässigen Kundenstamm aufgebaut hat und sämtliche Kontakte selber pflegt. „Was glauben Sie, was der Betrieb Wert ist, wenn der Dachdecker ihn vor seiner Rente verkaufen will?“ – Nichts, war die Antwort, denn der gesamte Wert läge in den persönlichen Beziehungen zu den Kunden.

Das sei ein wichtiger Unterschied zum Unternehmer: Dieser sei in der Lage, Aufgaben zu delegieren und sich dann – zumindest zeitweise – komplett aus dem Unternehmen zurückzuziehen. „Ein Unternehmer muss Zeit investieren, Dinge von außen zu sehen“, sagte Kierdorf. Man müsse sich jedoch vor dem Umkehrschluss hüten, dass ein Unternehmer nichts können muss, solange er alles Anstehende erfolgreich an Mitarbeiter weitergeben könne. Im Gegenteil: Kierdorf arbeitet sieben Disziplinen heraus, die ein Unternehmer beherrschen muss. Dazu zählt er Finanzen, Kundengewinnung und Networking. Von allem müsse ein ganzheitlicher Unternehmer Ahnung haben – erst dann könne er Aufgaben delegieren: „Ich muss eine gute Internetpräsenz nicht selber bauen können, aber ich muss wissen, was eine gute Webseite ausmacht.“ Vieles habe mit langfristiger, guter Planung und Taktik zu tun, ergänzte er: „Unternehmer sein ist Schach spielen und nicht Roulette.“

Spannende Diskussion mit NUK-Alumni

Viele Gäste waren gekommen – sie wollten wissen, was einen guten Unternehmer ausmacht

Viele Gäste waren gekommen – sie wollten wissen, was einen guten Unternehmer ausmacht

Auf den Vortrag folgte eine Podiumsdiskussion. Mit Dr. Claudia Mika von Temos, Tobias Modjesch von YouCook und Christoph Kind von BringMeBack diskutierten nicht nur drei NUK-Alumni, sondern auch drei erfolgreiche Unternehmer die Frage, was einen guten Gründer ausmacht. Zunächst einmal brauche es Leidenschaft, waren sie sich einig. Sonst sei es schwierig am Ball zu bleiben und anstrengende Zeiten zu überstehen. Für Modjesch war das sogar ein Hauptgrund, Unternehmer zu werden. Er hat nach einem Projekt gesucht, für das er leidenschaftlich brennt. So ist er erst Gründer geworden.

Ganz anders war es bei Mika. Sie hatte nie vor, Unternehmerin zu werden, ergriff aber die Gelegenheit, als sie sich nach einem Forschungsprojekt bot. „Mir hat vor allem meine Disziplin geholfen“, ist sie sich heute sicher. „Wir sind Dienstleister und verkaufen Gütesiegel – ohne Disziplin geht es da nicht“, sagte sie. Anders sei es bei ihm, sagte Kind. Er halte sich für nicht besonders diszipliniert, dafür aber für sehr zielorientiert. Leidenschaft, Disziplin und Zielorientiertheit – alles drei sind Eigenschaften, die Kierdorf erfolgreichen Unternehmern zuschreibt.

Schnell stiegen auch die Gäste in die Diskussion mit ein, lieferten Beispiele aus ihrem Alltag als Gründer und Unternehmer. Es entstanden viele spannende Diskussionen, die beim Anschließenden Get-together fortgesetzt werden konnten.

Wir danken dem GIZ Gründer- und Innovationszentrum im TechnologiePark Köln für die Ausrichtung des Abends!


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