14. Juni 2011

Von den Stolpersteinen auf dem Weg zum Erfolg – NUK-Forum „Unternehmer berichten“

Der Weg in die Selbstständigkeit ist oft holpriger, als es sich Existenzgründer bisweilen vorstellen. Da der Nachwuchs von gestandenen Unternehmern besonders viel lernen kann, schilderten beim NUK-Forum „Unternehmer berichten“ zwei hochkarätige Alumni des NUK-Businessplan-Wettbewerbs in einer Podiumsdiskussion ihren ganz persönlichen Weg zum Erfolg – mit all seinen Hürden: Inga Koster (links) von der Bonner true fruits GmbH und Dr. Jörg Siegel von der Monheimer InovisCoat GmbH hatten am 9. Juni 2011 viele praxisnahe Tipps für Gründer parat. Sie vermittelten bei der inspirierenden Veranstaltung im Kölner GIZ Gründer- und Innovationszentrum einen authentischen Eindruck davon, was es heißt Entrepreneur zu sein und welche Stolpersteine es geben kann. Dabei machten sie viel Lust auf Unternehmertum.

Welchen Herausforderungen begegnet man etwa als unerfahrenes, branchenfremdes Studententrio, das die Gründer von true fruits waren? Wie schafft man es dennoch in kürzester Zeit seine Smoothies als gesundes Premium-Produkt bundesweit zu positionieren? Der Jahresumsatz der aspirierenden Marktführer liegt inzwischen laut Koster bei sechs Millionen Euro, zahllose Auszeichnungen wie der Deutsche Gründerpreis 2009 und zuletzt der Marken-Award 2011 sind das i-Tüpfelchen der bisherigen true-fruits-Erfolgsgeschichte.
Ähnlich beeindruckend die Kennzahlen von InovisCoat, mit denen Dr. Jörg Siegel aufwartete: Das Unternehmen rechnet 2012 mit zwölf Millionen Euro Umsatz mit seiner sogenannten Multicoating-Technologie. Hier können bis zu 18 Schichten mit jeweils unterschiedlichen Funktionalitäten auf vielfältige Trägermaterialien aufgebracht werden. Der Endverbraucher begegnet ihnen etwa bei Sicherheitsausweisen, Wirkstoffpflastern oder Medikamenten, die dank InovisCoat leichter zu schlucken sind. Doch Dr. Siegel kennt auch Durststrecken: Das 2005 in Leverkusen gegründete Unternehmen erfuhr erst mit der Inbetriebnahme einer hochkomplexen, eigenen Fertigungsanlage vor zwei Jahren einen signifikanten Wachstumsschub.

Die Erkenntnisse der fruchtbaren Diskussion beim NUK-Forum „Unternehmer berichten“ haben wir in einer Zitatesammlung zusammengestellt. Aus den O-Tönen von Inga Koster und Dr. Jörg Siegel lassen sich folgende Lehren ziehen:

 

–    NUK-Gütesiegel kann bei der Investorensuche helfen
Koster: „Wir wurden anfangs oft belächelt, ‚Ihr macht doch nur Saft‘, hörten wir immer. Doch das NUK-Gütesiegel, das die Validität unseres Konzepts belegte, hat uns z.B. in Bankgesprächen sehr geholfen. Wir beantragten alle drei das KfW-Startgeld, das waren dreimal 50.000 Euro. Durch die NUK-Teilnahme waren wir auch in der Presse weit vorne dabei, auf die lokale Berichterstattung hin meldete sich sogar unser erster Investor bei uns! Bis dahin waren wir mit einem zwölf Jahre alten Polo unterwegs, der bei Regen 40 fuhr. Wir hatten eine Nullgründung.“

Dr. Siegel: „Wir hatten einen siebenstelligen Finanzierungsbedarf, da müssen Sie reden, reden, reden. Wir haben uns gezielt in die neuen Bundesländer bewegt, als wir bereits erste Mitarbeiter und Entwicklungsprojekte hatten. Doch unsere Angestellten votierten gegen den Wegzug aus dem Rheinland. So generierten wir bis 2009 v.a. über Forschungsaufträge Umsätze, bis wir einen Investor fanden. Einen guten Segler erkennt man eben in schlechtem Wetter!“

 

–    Teamgründungen sind von Vorteil, wenn sich die Richtigen zusammenfinden
Koster: „Einer unserer Erfolgsfaktoren ist die hochwertige Designer-Glasflasche – viele Ratgeber wollten uns ursprünglich zu einer billigeren Plastikverpackung überreden. Zweiter Erfolgsfaktor ist unser Team. Wir hatten zu Beginn beinahe täglich mit Stolpersteinen zu kämpfen. Aber da war immer einer von uns, der weitermachte oder um die Ecke dachte. Natürlich gab es auch Reibereien, aber wir sind auch heute noch die besten Freunde. Wir hatten immer eine klare Hackordnung, auf die wir aber glücklicherweise in fünf Jahren nie zurückkommen mussten.“

Dr. Siegel: „Ich befürworte auch eindeutig die Teamgründung. Bei zwei Gründern kommt es schnell zu einer Pattsituation, da sind drei Teammitglieder besser. Man hat außerdem gerade in der Gründungsphase viele Termine wahrzunehmen, im Team lassen sich die Aufgaben besser verteilen.“

 

–    Erfinderisch sein und Chancen ergreifen
Koster: „Als wir anfingen, waren wir drei BWLer, die gerade frisch von der Uni kamen und branchenfremd waren. Bei den Ansprechpartnern in der Zentrale einer großen Handelskette hatten wir keine Chance. Also überzeugten wir stattdessen nach und nach immer mehr Leiter von ‚freien‘ Supermärkten von uns und unserem margenstarken Produkt. Irgendwann war so auch die Zentrale bereit uns bundesweit ins Sortiment zu nehmen.“

 

Dr. Siegel: „An Kunden kommt man am besten über Kaltakquise, ganz klar. Als Unternehmer unternimmt man eben was. Man zeigt auf was man kann, inwieweit es für den Gesprächspartner interessant sein könnte. Vielleicht kommt man dann zusammen.
Bei der Suche nach Mitarbeitern schafften wir es, acht wirklich gute Leute von einem insolventen Traditionsunternehmen abzuwerben. Deren Beteiligungsfirma zahlte gut neun Monate lang die Gehälter unserer Neuzugänge. So konnten wir Geld verdienen, ohne Geld auszugeben.

Koster: „Die Nachahmer waren uns schnell auf den Fersen. Obst pürieren kann schließlich jeder, das lässt sich nicht schützen. Wir folgen deshalb sehr stringent unserer Markenstrategie, die auf Qualität und Lifestyle setzt. So konnten wir letztlich vom Werbebudget der großen Getränkehersteller profitieren: Deren TV-Spots machten den Begriff Smoothies für uns erst so richtig bekannt.“

 

–    Chef sein muss man lernen
Dr. Siegel: „Wenn man das erste Mal jemanden entlassen muss – das ist ein schmerzhafter Prozess. Es ist mit Sicherheit nicht leicht ein Chef zu sein. Ich habe es aber zu keinem Zeitpunkt bereut.“

 

 

 

 

Etliche der rund 90 Gäste schalteten sich in die von NUK-Projektleiterin Vesna Domuz moderierte Fragerunde mit ein und nutzten die Gelegenheit zu erfahren, wie aus einem Businessplan eine florierende Firma werden kann. Die beiden Protagonisten des Abends standen beim anschließenden ausgiebigen Networking für viele Wissbegierige noch für vertiefende Gespräche zur Verfügung.
Am Buffet konnten unsere Gäste zudem die Smoothies von true fruits gratis testen, denn Inga Koster hatte freundlicherweise einige Kartons mitgebracht – herzlichen Dank!

 

 

 

 

Wir danken auch dem GIZ Gründer- und Innovationszentrum im Technologiepark Köln herzlich für die Unterstützung des Abends!



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