20. Oktober 2009

Von der Kunst der Kommunikation

Am vergangenen Montag fand mit Unterstützung der Wirtschaftsförderung Düsseldorf das NUK-Presseseminar statt, das NUK Neues Unternehmertum Rheinland e.V. jeden Herbst ausgewählten Alumni des NUK-Businessplan-Wettbewerbs anbietet. Wie immer leitete Tom Buschardt von NUK-Alumni-Sponsor die-journalisten.de GmbH die eintägige Weiterbildungsmaßnahme. Im Folgenden schildert Teilnehmer Jan-Martin Lichte von biz.agent, Nominee in Stufe 1 und 2 des NUK-Businessplan-Wettbewerbs 2009, seine Eindrücke.

Mit krassen Beispielen wie „Schlafmanagement“ (= Folter durch Schlafentzug) und „Wirkungstrinker“ (= Alkoholiker) brachte es Tom Buschardt auf den Punkt: Unsere Sprache ist dehnbarer, als wir gemeinhin annehmen – es kommt immer darauf an, wie man etwas kommuniziert!

Aber was hat das mit uns als Gründern zu tun? Wer gibt schon so viele Interviews, dass er wissen muss, wie man auf unliebsame Fragen eben nicht antwortet? Habe ich beispielsweise das Recht, den Text meines Interviews zu kontrollieren und freizugeben, bevor er gedruckt wird? Habe ich nicht, es sei denn, ich habe es VORHER ausgehandelt. Dürfen Videoaufnahmen gesendet werden, die bei einem unangekündigten Besuch mit laufender Kamera in meinem Unternehmen entstanden sind? Ja, und zwar so lange, bis jemand widersprochen hat.

Ganz konkret anwendbar für uns Gründer: ein Beispiel zum Thema Krisenmanagement, durchgespielt mit der ebenfalls anwesenden erfolgreichen NUK-Gründerin des Bio-Schnellrestaurants „Pick-A-Pea“: Angenommen, ein Fußballstar isst bei ihr zu Mittag und kann anschließend wegen einer Magenverstimmung nicht mehr spielen. Das Spiel gegen Bayern München geht verloren! Am nächsten Tag titelt BILD: Kölner Currywurst lässt Bayern siegen!

Was tun? Eine Gegendarstellung erzwingen? Sich in beleidigtes Schweigen hüllen? Nach Mexiko auswandern? Oder lieber einen Deal suchen mit den Redakteuren der Medien, die sich mit Vorliebe auf „Skandalthemen“ stürzen? Eins wurde klar angesichts der „Fieberkurve“ eines Skandals: Nach Gerüchte-Phase, Enthüllungs-Phase, Sachlicher Phase und Bilanzierungs-Phase bleibt auch Jahrzehnte später noch immer eine Wirkung nach, wie z.B. das berühmte Beispiel von McDonalds im McLibel Case zeigt.

Neben diesen aufsehenerregenden Themen wurde im NUK-Presseseminar auch fürs Tagesgeschäft einiges geboten. Sarah Stoimenoff von agentur05 schilderte eindrücklich wie PR-Arbeit funktioniert, am Beispiel eines „Pressegesprächs“ für die RWE-Elektroauto-Sparte. Aber wie weit ist dieses Beispiel auf unsere konkrete Situation als Gründer übertragbar? Vieles bleibt den großen etablierten Unternehmen vorbehalten: aufwändige Werbegeschenke, selbstorganisierte Veranstaltungen mit großer Teilnehmerzahl, oder großflächige Messeauftritte mit Prominentenbesuchen. Was bleibt, ist das Handwerkszeug , mit dem es auch kleinen Unternehmen gelingen kann, mit Fleiß und Methodik eine solide und erfolgreiche Pressearbeit durchzuführen: Presseverteiler, Adress-Datenbanken für Medienkontakte, Presseportale und auch die ganz praktische Veranstaltungsorganisation wurden mit vielen Praxistipps ausführlich besprochen.

Wer dem eingangs von Tom Buschardt geschilderten Arbeitsalltag eines Redakteurs gefolgt war, konnte nachvollziehen, warum umständliche Schilderungen des eigenen Werdegangs zum Gründer bei Anruf in einer Redaktion tödlich sind. Vierzig Sekunden maximal wird sich der Redakteur gönnen, um zu entscheiden, ob ihn der Anruf interessiert. In dieser Zeit muss die Botschaft rüberkommen, also bitte keine ausführlichen Anekdoten aus der Studentenzeit, sondern gleich zur Sache kommen.

Als Gründer frage ich mich natürlich, ob ich mein knappes Budget nicht lieber in Veranstaltungen direkt für Kunden investieren sollte. Die Beglückung von Journalisten mit Sekt, Häppchen und Werbe-USB-Sticks kann doch nur eine Zwischenetappe sein auf dem Weg zum Kunden, zu Aufträgen und zu Umsatz.

Mein Fazit nach dieser Veranstaltung ist, dass ich die PR auch für kleine Unternehmen als einen zunächst noch kleinen, aber wichtiger Baustein verstehen muss, der nicht vernachlässigt werden darf.

Ganz am Schluss kam noch ein heikles Thema auf: Produkt-Placement und Medienkooperation sind die Fachbegriffe für das, was man in meiner Jugend noch „Schleichwerbung“ nannte: In der Autozeitschrift tauchen Teambetreuer mit den Jacken einer Zigarettenmarke auf, oder im Szenemagazin haben die Aschenbecher und Einkaufstaschen die Farbe und das Logo einer anderen Marke. Vom Werbekunden bezahlte Artikel werden im Nachrichtenstil formuliert und sind von redaktionellen Texten kaum noch zu unterscheiden. Der unbedarfte Leser nimmt die Werbung nicht mehr als Werbung wahr und wird somit manipulierbar.

Ist das ethisch noch vertretbar, war meine kritische Frage. Tom Buschardt hatte uns im ersten Teil der Veranstaltung seinen persönlichen Berufsweg vom harten aber fairen Journalisten zum Leiter einer PR-Agentur geschildert – was war da mit ihm geschehen? Wie weit hatte er seine früheren Überzeugungen bewahren können, angesichts der Gepflogenheiten im PR-Markt? Auf einmal sah ich die ökonomischen Zwänge, denen auch ein so sachkundiger Mitmensch wie Tom Buschardt ausgesetzt ist. Ich wünsche mir und allen anderen Gründern, dass wir ökonomisch erfolgreich sein und trotzdem unseren Überzeugungen treu bleiben können.

Insgesamt ein äußerst gelungener und erkenntnisreicher Termin, auch wenn ich persönlich wohl noch einige Jahre brauchen werde, um dieses Wissen geschäftlich anwenden zu können. Wenn ich dann irgendwann einmal berühmt bin und von Journalistenhorden verfolgt werde, buche ich auf jeden Fall das Seminar „Wie sage ich nicht, was ich nicht sagen will“ bei Tom Buschardt, das habe ich mir schon fest vorgenommen!

Meinen Dank an NUK und die Wirtschaftsförderung Düsseldorf, die uns Alumni dieses Seminar ermöglichten!

biz.agent ist mehr als eine einfache E-Mail Software, da die eingebaute Intelligenz dem Benutzer das Sortieren und Strukturieren der Informationen abnimmt. biz.agent wird derzeit realisiert und voraussichtlich im Frühjahr 2010 als SaaS-Angebot verfügbar sein.


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