30. Juli 2010

Weg von der Nabelschau

Retrospektive NUK-Businessplan-Wettbewerb 2010, Teil 1: Interview mit NUK-Berater Jochen Grotenhöfer

Herr Grotenhöfer, bitte beschreiben Sie Ihr Engagement für NUK!
Grotenhöfer: Seit Anfang 2009 stehe ich bei den Coaching-Abenden in Köln und auch in Düsseldorf Gründern und solchen, die es werden wollen, fachlich zur Seite. Die anderen NUK-Gründungsberater aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen der Betriebswirtschaft, des Patent- und Steuerrechts etc. und ich können gemeinsam ein breites Spektrum an Perspektiven anbieten, um eine Gründungsidee umfassend zu bewerten und Vorschläge dazu zu machen oder konkrete Hinweise zu geben.
Dabei stelle ich immer wieder fest: Die Gründer legen großen Wert darauf, nicht nur eine fachliche Einschätzung zu ihrer Idee zu bekommen und zu erkennen, welche Schritte sie in der Gründung noch unternehmen müssen, um mit ihrer Idee weiter zu kommen. In vielen Fällen gelingt es in den Gesprächen auch, völlig neue Perspektiven z.B. auf noch nicht entdeckte Märkte, verschüttete Talente bei den Gründern oder bisher nicht betrachtete Konflikte bei der Umsetzung zu bieten. Dann wird aus der Gründungsberatung schnell ein kurzer Strategieworkshop. Und das befriedigt nicht nur die Gründer, sondern macht den Reiz für mich als Berater aus, weil es einfach unglaublich spannend ist, etwas Neues entstehen zu sehen.

Was ist der Hauptvorteil der umfangreichen Betreuung bei NUK?
Grotenhöfer: Ich glaube, das ist die Abkehr von der Nabelschau, der Betrachtung der Idee durch die eigene rosarote Brille! Viele Gründer sind vernarrt in ihre Idee, häufig sehr im Detail mit technischen Details vertraut. Die Begeisterung für das eigene Werk ist notwendig und gesund für die Geschäftsidee, aber in vielen Fällen fehlen den Gründern zunächst die Worte, wenn man sie fragt: „Und was hat Ihr zukünftiger Kunde davon?“
Die kritische Diskussion der Nutzenbetrachtung oder des sogenannten Mehrwerts eines neuen Produkts für den Kunden eröffnet sich für viele Gründer zum ersten Mal während eines NUK-Coaching-Abends: Mehr als einmal saßen im letzten Jahr Gründer an meinem Tisch, die sich am Ende des Abends mit einer anderen Idee als noch zu Beginn des Gesprächs von mir verabschiedeten. Warum? Weil sie erkannten, dass die ursprüngliche Idee so schlicht keine Nachfrage finden würde, oder weil sie neue Kundengruppen identifizieren konnten, an die sie ursprünglich gar nicht gedacht hatten.
Die nüchterne, neutrale Sicht des Gründungsberaters und des Businessplan-Gutachters ist sicher nicht immer angenehm. Wer sieht schon gerne zu, wie sein Luftschloss sich in Rauch auflöst? Aber wir versuchen auch immer, auf dem verbleibenden Kern einer Idee neu aufzubauen bzw. Perspektiven zu zeigen, in welche Richtung es sich zu denken lohnen könnte. Dieses Feedback erhöht die Qualität der Ergebnisse der Gründungsidee und gleichzeitig fordert es von den Gründern Antworten auf Fragen, auf die sie von allein gegebenenfalls nie gekommen wären.

Welche Fragen hören Sie besonders oft bei den NUK-Coaching-Abenden?
Grotenhöfer: Die bei mir am häufigsten gestellte Frage ist ganz simpel: „Geht das?“ Das NUK-Coaching bietet den Gründern die Möglichkeit, eine ausgewogene fachliche Meinung zu ihrer Idee zu bekommen, jenseits der freundlichen Anfeuerung von Freunden und Familie, und der eigenen Begeisterung über die Idee. Und meine Antwort darauf ist häufig: „Ja, aber nicht so. Lassen Sie uns darüber reden, wie Sie es besser machen können.“ Diese Art Gründungsideen zu besprechen, und fördernd aber auch fordernd zu entwickeln, hat sicher mit dazu geführt, dass gerade die NUK-Angebote in Köln einen immer größeren Zulauf und wir somit immer mehr gut vorbereitete Gründer haben. Einen Beitrag dazu zu leisten, ist ein sehr befriedigendes Gefühl.

Herr Grotenhöfer, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Jochen Grotenhöfer ist als Gründer und Geschäftsführer der TRANSITION CONSULT spezialisiert auf Fragestellungen der Personal- und Organisationsentwicklung in Dienstleistungsunternehmen, Non-Profit-Organisationen und Einrichtungen der öffentlichen Hand. Dabei spielt der Zusammenhang zwischen Organisations(kultur)-verhalten und Organisations- und Personalentwicklung eine wichtige Rolle in seiner Arbeit. Neben der verfahrensgestützten Messung und Analyse des Organisations- und Teamverhaltens erarbeitet er mit seinen Kunden auch die Entwicklung von Maßnahmenprogrammen zu ihrer Verbesserung. Jochen Grotenhöfer ist zusätzlich zu seiner Tätigkeit als NUK-Coach auch Dozent an der RWTH Aachen.


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