7. November 2006

„Flüssiges Obst“ als Geschäftsidee

Studenten der Fachhochschule entwickeln Fruchtgetränk bis zur Marktreife

Bonner Rundschau, 07.11.2006

RHEINBACH/SANKT AUGUSTIN.
Früchte kaufen, pürieren, mit Saft mischen und fertig. Mit dieser laienhaften Vorstellung begann vor einem Jahr ein Forschungsprojekt von neun Studenten der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg. Die angehenden Chemiker, Biologen und Betriebswirte hatten ein ehrgeiziges Ziel: die Herstellung und Vermarktung eines auf dem deutschen Markt neu-artigen Fruchtsaftgetränks, den so genannten Smoothies, die in den USA, Großbritannien sowie einigen Nachbarlän-dern beliebt sind. Der Drink, dessen Name sich vom englischen Wort smooth (glatt, geschmeidig) ableitet, setzt sich aus mehreren pürierten Früchten zusammen, ohne Zugabe von Wasser, Zucker, Farb- oder Konservierungsstoffen.

Die Idee kam den Firmengründern Inga Koster und Marco Knauf während ihres Auslandssemesters in Schottland. Dort stießen sie zum ersten Mal auf die Smoothies, die in ganz Großbritannien sowohl im Handel als auch in der Gastronomie und im Fitness- Bereich weit verbreitet sind. Sofort war klar: „Sie müsste es auch in Deutschland ge-ben.“ Zurück an der Hochschule in Sankt Augustin legten sie Professor Christoph Zacharias, der den Lehrstuhl für Existenzgründung und Mittelstandsmanagement innehat, ein Konzept vor; mit ihm gemeinsam wurde das interdisz plinäre Forschungsprojekt ins Leben gerufen, wozu neben der Entwicklung der Rezepte auch die Pasteurisierung der Getränke und deren mikrobiologische Analyse gehörten.

Sechs Monate lang forschten die Studenten nach Rezepturen und Herstellungsprozessen. Der erste Brei aus der brasilianischen Graviola-Pflanze tropfte noch grün-gelb aus dem Mixer und schmeckte wie Harz, aber im richtigen Verhältnis mit anderen Früchten wurde das Ergebnis immer leckerer. Fehlendes Know-how holten sich die Studenten bei Experten aus der Branche, wie von Rupert Binnig, Professor für Lebensmitteltechnik an der Universität Trier, oder dem Deutschen Fruchtsaftverband in Bonn. Eine Studentin des Studienganges Grafik- und Kommunikationsdesign entwickelte das Design der true fruits („wahre Früchte“).
Zum Ende des Forschungsprojekts wurden die Smoothies dann an der Fachhochschule erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Unter anderem durften der stellvertretende NRW-Ministerpräsident Andreas Pinkwart sowie Landrat Frithjof Kühn das Ergebnis kosten.

Gemeinsam nahmen Inga Koster, Marco Knauf und Nicolas Lecloux an einem überregionalen, dreistufigen Business-plan-Wettbewerb des Vereins Neues Unternehmertum Rheinland (NUK) teil. Die Smoothie-Idee gewann die Haupt-preise für die beste Geschäftsidee und das beste Marketingkonzept und verbuchte im Finale, bei dem der komplette Businessplan bewertet wurde, unter über 100 Teilnehmern den zweiten Platz.

Ermutigt ging das Trio aus der Region auf Investorensuche, die schließlich erfolgreich war. Im Juni gründeten die drei Absolventen gemeinsam mit zwei Investoren aus Bonn die true fruits GmbH, bezogen ein Büro in Bonn-Beuel und starteten den Markttest mit 35 000 Fläschen. Zuletzt wurde das „flüssige Obst“ unter anderem auf einem Fitness-Kongress in Kassel und im Schloss Lerbach in Bergisch Gladbach präsentiert, und ab morgen ist das Getränk bei REWE, der Fitness-Company und Partnern in der Gastronomie und Hotellerie erhältlich.(Bir)


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