30. September 2006

Jahrestreffen des NUK-Alumni-Club im Zeichen von Wachstum

Business On – Das regionale Wirtschaftsportal in Köln und Bonn, 30.09.2006

Ende September trafen sich knapp 100 Ehemalige, Freunde und Förderer des Alumni-Clubs des Netzwerkes Neue Unternehmer Köln (NUK) im Plenarsaal der Kölner Bezirksregierung. […]
Das Thema Netzwerke für Unternehmensgründer steht jedoch weiterhin ganz oben in der Prioritätenliste der Bezirksregierung. Im Mittelpunkt der Abendveranstaltung stand das Thema „Wachstumsmanagement“.

„Execution is more important than strategy“, so lautete einer der Thesen von Prof. Dr. Malte Brettel, Leiter des Lehrstuhls Wirtschaftswissenschaft für Ingenieure und Naturwissenschaftler an der RWTH Aachen. Viele Existenzgründer, die eine Idee haben, beschäftigen sich wenig mit strategischen Fragen. Die Folge: Wenn das Unternehmen erfolgreich ist und wächst, steigt auch die Komplexität der Probleme, mit denen vor allem junge Unternehmen zu kämpfen haben. Diese Form von „micro-management“ frisst den Unternehmer irgendwann auf, schlussfolgert Brettel. Damit gerade junge Unternehmen nicht bereits an dieser Hürde scheitern, empfiehlt Brettel, der selbst unternehmerische Erfahrungen gesammelt hat, in regelmäßigen Abständen strategische Denkpausen im Alltagsgeschäft einzulegen. „Retreats“ nennt das der Experte.

Krisen sind eine Chance für junge Unternehmen

Auch auf die Bedeutung von Krisen für das Wachstum eines Unternehmens und damit seinen ökonomischen Erfolg ging der Wirtschaftsprofessor ein. „Krisen helfen einem Unternehmer, sein Unternehmen wachsen zu lassen“, so die These von Brettel. Der Unternehmer sollte dabei „ehrlich“ zu sich selbst sein. Gerade bei Existenzgründungen, die nach ihrer Etablierung einen Wachstumskurs einschlagen, sollte der Unternehmer sich eingestehen, dass er Schwächen hat und nicht alles alleine kann. Gleichzeitig muss er beim Aufbau seiner Organisation die Schwächen und Stärken seiner Mitarbeiter im Auge haben, damit das Unternehmen weiterhin erfolgreich am Markt arbeiten kann. „Die Kunst ist es nun, die Balance zwischen den Anforderungen des Tagesgeschäfts und einem langfristig angestrebten Zustand zu wahren“, erläuterte Brettel den Anwesenden.

Sedo GmbH – eine Erfolgsstory aus der Praxis

Dass eine Existenzgründung zu einer echten Erfolgsstory werden kann, zeigt das Beispiel der Sedo GmbH mit Hauptsitz in Köln. Vor gerade einmal sieben Jahren hatten Unternehmensgründer Tim Schumacher und seine zwei Mitstreiter die Idee, eine Handelsplattform für Domainnamen zu etablieren. Im Jahr 2000 nahm das junge Unternehmen dann am NUK Business-Plan-Wettbewerb teil. „Wir wurden anfangs von der Jury abgewatscht. Aber wir haben daraus gelernt“, erläuterte Schumacher den Gästen. Trotz schwieriger Anlaufzeit – der Internetboom der Jahrtausendwende ging gerade zu Ende – schaffte es das Unternehmen, sich in dieser Zeit über Wasser zu halten. Und Fehler habe man auch gemacht. So mussten die Unternehmer viele Jahre warten, bis sie den begehrten Domainnamen www.sedo.com sichern konnten. Neue Geschäftsmodelle, wie zum Beispiel das „domain parking“ halfen dem Unternehmen dann ab 2002, ein fulminantes Wachstums hinzulegen. Inzwischen setzt die Gesellschaft, die seit 2004 von Boston aus das US-Geschäft betreibt, mit knapp 100 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 40 Millionen Euro um.
Aus seiner Sicht haben mehrere Umstände zum Geschäftserfolg beigetragen. Die Fokussierung auf eine ausreichend große Nische und eine frühe Partnerschaft mit der United Internet AG sicherten den Jungunternehmern eine stabile Basis für ihr Geschäft. Etwas Glück gehört jedoch auch dazu, gibt Schumacher freimütig zu. So hat die Umstellung des Geschäftsmodells von Google dem Erfolg der Sedo GmbH sicherlich geholfen. Zudem setzte das Management des Unternehmens von Anfang an auf ein organisches Wachstum.

Handel von Domainnamen als Kerngeschäft

Nach Schätzungen der Sedo GmbH sind derzeit rund die Hälfte aller Domainnamen ungenutzt. Schumacher schätzt dieses Potenzial auf mindestens 50 Millionen Internetadressen. Für viele Existenzgründer stellt sich heute das Problem, dass die überwiegende Zahl an „guten“ Domainnamen bereits vergeben ist. Hier setzt sein Unternehmen an. Als internationale Handelsplattform vermittelt die Sedo GmbH verkaufswillige Domainanbieter mit denjenigen Nachfragern, die bereits sind, einen Preis für eine Internetadresse zu zahlen. Damit Anbieter und Sedo bereits vorher von den „guten“ Namen profitieren, wird die Domain in der Zwischenzeit mit Onlinewerbung gefüllt. Die dadurch erzielten Umsätze werden dann zwischen dem Plattformbetreiber und dem Domainanbieter geteilt, ein gutes Geschäft für beide Seiten.

Staat muss Rahmen setzen

Unternehmensgründungen, wie die der Sedo GmbH, sind genau das, was auch von staatlicher Seite gefordert und gefördert werden soll. Für den Abteilungsdirektor Wirtschaftsförderung und Kommunalaufsicht Joachim Diehl sind gerade die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. „Diese Unternehmen stellen die meisten Arbeitsplätze bereit und spielen auch bei unternehmerischen Innovationen eine führende Rolle“, erklärte Diehl den Gästen. Die Rolle der Bezirksregierung sieht Diehl als „Rahmensetzer“. „Das hört sich im ersten Moment nach Bürokratie an. Aber eine einmal erteilte Genehmigung bietet den Unternehmen die langfristige Planungssicht, die sie für ihr Geschäft brauchen“, so Diehl weiter. Vor allem im Bereich Umweltschutz und Genehmigungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz ist die Bezirksregierung Köln für Unternehmen und Existenzgründer in der Region der erstrangige Ansprechpartner. Und die Region hat nicht nur aufgrund seiner geografischen Lage einige Standortvorteile zu bieten, wie Diehl abschließend herausstellt.

Deutsche Wirtschaft braucht mehr Enthusiasmus

Schumacher, der inzwischen das US-Geschäft von Boston aus leitet und nur noch sehr selten in seiner Heimatstadt ist, gibt dem Wirtschaftsstandort Köln eine gute Note. „In Köln sieht es gar nicht so schlecht aus“, urteilt der ehemalige Student im Fachbereich Medienmanagement. So ist aus seiner Sicht die öffentliche Infrastruktur in Köln wesentlich besser als in den USA, auch wenn in der Domstadt das eine oder andere Schlagloch zu finden ist. Er wünscht sich lediglich etwas mehr Enthusiasmus in Deutschland. „Davon gibt es definitiv zu wenig“, so Schumacher abschließend.

Weitere Infos: http://www.n-u-k.de/

(Ralph Kruppa)

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