5. Juni 2008

Zu gut um ignoriert zu werden

Tipps für Internet-Startups beim NUK-Themenabend “Web 2.0 – Blase oder Big Business?”

Köln, 05.06. 2008 – Das Mitmachnetz und die deutsche Gründerszene – wie geht es weiter? Bringt der Trend schon bald weitere junge Millionäre und Erfolgsgeschichten hervor oder droht das Ende des Hypes und die nächste Tristesse? Dies versuchte NUK Neues Unternehmertum Rheinland e.V. am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen seines Businessplan-Wettbewerbs 2008 in Köln zu klären. Eine eindeutige Antwort auf die provokante Leitfrage fanden die fünf Referenten – zwei Unternehmer, ein Wirtschaftsjournalist, ein Investor und ein IT-Rechtsexperte – zwar nicht. Aber die 120 Gäste nahmen spannende Brancheneinblicke und Expertentipps für webzwonullige Gründer mit nach Hause.

„Klar ist das eine riesige, schaumige Blase!“ Als Vertreter der Investorenseite wittert Jörg Binnenbrücker dennoch vereinzelt das große Geschäft  im Web 2.0 – zumindest bei manchen Ideen aus dem Medienumfeld. Mit Verweis auf die soeben in ein Open Source-Projekt umgewandelte Facebook-Entwicklerplattform wandte er allerdings ein: „Heute kann sich jeder in 45 Minuten ein Internetgeschäft einrichten – das ist ein Problem! Für den Geschäftsführer von DuMont Venture hängt viel von der Unternehmerpersönlichkeit ab: „Es ist wichtig, dass Entrepreneurship bei den Gründern da ist.“ BWL-Know-how sei dabei ebenso wichtig wie ein gut gemischtes Team und Leidenschaft für das Projekt. Wie man nun das Interesse von VC-Gebern weckt? Ganz oben auf der Einkaufsliste steht natürlich die innovative Idee und die gelungene Umsetzung: „Be so good they can’t ignore you!”, zitierte Binnenbrücker hierzu den Internet-Pionier Marc Andreessen.

Problem der Monetarisierung

Wie steht ein Internet-Unternehmen, das am Ende der ersten New Economy-Welle noch in den Babyschuhen steckte und heute die globale Handelsplattform für Domains ist, zur aktuellen Entwicklung? Marius Würzner, Gründer und Geschäftsführer der Sedo GmbH, Teilnehmer am NUK-Businessplan-Wettbewerb 2001 und Alumni-Sponsor des Verbandes: „Wir reagieren eher zurückhaltend auf das Web 2.0, trotz der natürlich hohen Internetaffinität unserer Firma.“ Neben dem Tipp, je nach Geschäftsmodell möglichst früh die Internationalisierung anzugehen, warnt Würzner auch: „So lange ich die Frage nicht beantworten kann, womit man Geld verdienen will, muss man sich nicht wundern, wenn keiner investiert.“

Kurz und einfach und den Ausstieg immer im Blick

Ein schwachbrüstiges Monetarisierungsmodell hatte auch Konstantin Ewald, IT-Rechtsexperte bei Osborne Clarke, als eines der Hauptprobleme von blasigen Startups ausgemacht. Aber auch auf Kapitalgeberseite seien Fehler gemacht worden: „Investoren ohne Branchenkenntnis haben lange in alles Geld gesteckt, was das Web 2.0-Label trägt.“ Seiner Einschätzung nach müsse man sich zudem schon früh eine Exit-Strategie zurecht legen und sich an die Formel „KISS – Keep It Short & Simple“ halten:„Viele der Web 2.0-Angebote sind außerdem viel zu kompliziert. Ich muss mich doch da gleich wohlfühlen, wenn ich als Nutzer zum Mitmachen angeregt werden soll!“

„Eine lupenreine Web 2.0-Gründung“

Alles richtig zu machen scheint derzeit Dr. Thomas Goette, Gründer und Geschäftsführer der Freundliche Netzwerke GmbH: Mit einer eigenfinanzierten Online-Plattform starten er und sein Team gerade durch. Auf woobby.com können die Nutzer ihre Leidenschaften, Erfahrungen und Meinungen in Form von individuellen Ranglisten teilen und somit vergleichen. Die Mission: neben reiner Unterhaltung Struktur für eine komplexe Welt bieten. Und der Bedarf hierfür ist offenbar groß: Schon sechs Monate nach dem Start im Oktober 2007 hätten sich die Besucherzahlen verzehnfacht, der Zulauf wachse stetig. „Vor allem über Suchmaschinen kommen viele Nutzer zu uns. Bei uns finden sie z.B. Tipps zu den besten Rotweinen oder den schönsten Badeseen im Kölner Raum“, so Goette.

Diskussion über unendliche Web-Weiten

Im Anschluss an die Einzelvorträge entwickelte sich ein überaus reges Frage-und-Anwort-Spiel zwischen Gästen und Referenten. Viele wollten z.B. mehr über woobby wissen, und auch der potenziell große Markt für Angebote für Senioren und Best Ager im Netz war hier ein Thema. Eine weitere Zuhörerfrage führte zu einem Exkurs zum wirtschaftlich sehr interessanten Gaming-Bereich – browserbasierte, interaktive Spiele sind weltweit stark im Kommen und damit auch die entsprechenden Geschäftsideen wie die der Kölner Turtle Entertainment, Betreiber der größten Liga für Computerspieler in Europa.
Die Runde wurde moderiert von Constantin Gillies, Diplom-Volkswirt, Buchautor und freier Wirtschaftsjournalist. Als ausgewiesener Branchenintimus hatte er den Abend mit einer Bestandsaufnahme zur Internetwirtschaft eröffnet. Sein Befund: Zwar boome der E-Commerce momentan noch, aber andererseits habe mit Blick auf große Social Communities wie Facebook oder auch XING möglicherweise der Abstieg schon begonnen – deren Userzahlen stagnierten oder sänken bereits. Außerdem brächten nur wenige der bekannten Web 2.0-Unternehmen wirklich Geld ein.

Erfolg ist relativ

Nach dem offiziellen Teil ging der Austausch dann mit intensiven Gesprächen rund ums Buffet weiter. Als Fazit könnte man die Relativierung der provokanten Leitfrage des NUK-Themenabends durch GIZ-Pressesprecher Ulrich Becher gelten lassen, der eingangs in seiner Begrüßung auf die zahlreichen Angebote des gastgebenden Gründer- und Innovationszentrums im TechnologiePark für Gründer hingewiesen hatte: „Es muss ja nicht immer gleich Big Business sein – wenn ein Unternehmen dauerhaft schwarze Zahlen schreibt, ist das ja auch ein schöner Erfolg!“


PRESSEMITTEILUNG zur freien Veröffentlichung. Beleg/Link erbeten an:

Sandra Mennig
Pressereferentin
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Download honorarfreies Bildmaterial zu „Web 2.0 – Blase oder Big Business?“ am 03. Juni 2008 in Köln:

– Foto Referenten
– Foto „Visitenkartenparty“
– Foto Moderator Constantin Gillies

Rechtenachweis: NUK e.V.; Fotograf: Oliver Schulze, Köln

Auf Anfrage schicken wir Ihnen gerne weitere Motive zu.

Die Agenda des Abends finden Sie hier.

Hintergrundinfo:

NUK  Neues  Unternehmertum  Rheinland  e.V.  wurde  1997  von  der Stadtsparkasse  Köln,  heute  Sparkasse  KölnBonn,  dem  Gerling-Konzern, heute HDI-Gerling, und  der Unternehmensberatung McKinsey & Company, Inc. gegründet. Ziel des Verbandes ist die Förderung eines innovations- und gründerfreundlichen Klimas in der Region Rheinland.
Hinter  NUK  stehen  knapp  40  renommierte  Unternehmen  der Privatwirtschaft  und namhafte Institutionen sowie über 200 Fachberater und Coaches aus Wirtschaft und Wissenschaft. Dieses Netzwerk ermöglicht es NUK, Existenzgründern und Jungunternehmern kompetente und unabhängige Beratung anzubieten.  Alle Leistungen des Verbandes sind kostenlos.
Im  Rahmen des branchenoffenen NUK-Businessplan-Wettbewerbs werden künftige Entrepreneure dabei unterstützt, ihre Geschäftsidee in ein Geschäftsmodell umzusetzen  und  erfolgreich am Markt zu etablieren: Der jährlich stattfindende NUK-Wettbewerb ist in drei Stufen aufgebaut, an deren Ende jeweils die besten Konzepte prämiert werden. Es winken Preisgelder von insgesamt knapp 30.000 Euro. Zum Abschluss jeder Stufe erhalten die Teilnehmer außerdem ein qualifiziertes, schriftliches Feedback auf ihren Businessplan, und zwar jeweils von mindestens zwei Gutachtern aus dem NUK-Netzwerk.
Der NUK-Businessplan-Wettbewerb, der 2008 in die elfte Runde geht, gehört zu den teilnehmerstärksten Initiativen zur Förderung von Existenzgründern in Deutschland.  Seit dem ersten Wettbewerb 1997/98 sind mit Unterstützung von NUK Neues Unternehmertum Rheinland e.V. über 550 nachhaltig erfolgreiche Unternehmen gegründet und über 3.300 Arbeitsplätze geschaffen worden.
Darüber  hinaus  bietet  der NUK-Alumni-Club mit regelmäßigen Veranstaltungen sowohl aus dem NUK-Businessplan-Wettbewerb hervorgegangenen Gründern als auch anderen Jungunternehmern aus der Region Rheinland einen Zugang zum NUK-Netzwerk und dem damit verbundenen Wissenskapital.
Der NUK-Businessplan-Wettbewerb 2008 unter Schirmherrschaft von NRW-Innovationsminister Andreas Pinkwart startete am 30. Oktober 2007 und endet am 24. Juni 2008. Ein Einstieg ist jederzeit unverbindlich möglich. Alle Daten werden vertraulich behandelt. Alle Infos, Termine und Online-Registrierung für den Wettbewerb 2009 unter www.neuesunternehmertum.de.


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